Herabstufungen am Fließband
Anleger ignorieren Risiken von Firmenbonds

Obwohl Ratingagenturen die Bonität von Unternehmen kritisch bewerten, greifen Investoren bei Firmenanleihen beherzt zu. Allein die Ratingagentur Standard & Poor?s hat in diesem Jahr weltweit die Bonitätsnoten von 1 162 Firmen gesenkt - und damit von so vielen wie noch nie. Wann die Welle der Herabstufungen endet, ist nicht abzusehen.

FRANKFURT. Im vergangenen Jahr hatte Standard & Poor?s (S&P) bereits die Kreditwürdigkeit von 1 081 Unternehmen zurückgestuft. 921 Firmen und damit mehr als ein Drittel aller Schuldner haben bei S&P noch einen negativen Ratingausblick oder werden von der Agentur gerade auf eine Herabstufung geprüft. Darunter sind mit BASF, BMW, Commerzbank, RWE, Bayer, Volkswagen, Daimler, Deutsche Post, K+S, Thyssen-Krupp und Lufthansa auch elf der 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne.

Trotzdem sind die Kurse von Firmenbonds in diesem Jahr wegen der großen Nachfrage massiv gestiegen. Entsprechend sind die Renditen und Risikoprämien gesunken. Anfang des Jahres lagen die durchschnittlichen Renditen etwa von europäischen Banken und anderen Firmen mit Ratings im vergleichsweise sicheren Investment-Grade 4,3 Prozentpunkte über denen von Bundesanleihen. Inzwischen sind es nach Daten von Merrill Lynch nur noch knapp 1,4 Prozentpunkte.

Dabei sind nach Ansicht von Diane Vazza, Leiterin der globalen Anleiheanalyse bei S&P, die Risiken für die Wirtschaft noch sehr groß. Die Zahl der Unternehmen mit negativen Ratingaussichten sei zwar leicht gesunken, liege aber immer noch deutlich über dem historischen Durchschnitt. Dies ist für Vazza ein Zeichen dafür, wie lang und heftig diese Rezession ist. Dass sich die Aussichten für die Bonitätsnoten moderat stabilisiert haben, liege vor allem daran, dass viele Emittenten nach der Herabstufung einen stabilen Ausblick bekamen.

"Bei Herabstufungen können die Anleihen der betroffenen Unternehmen kurzfristig unter Druck kommen, die allgemein gute Stimmung für die Corporate Bonds stört das aber derzeit nicht", erwartet Rolf Schäffer, leitender Kreditstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die größte Gefahr von Kursverlusten sieht er bei Anleihen von Unternehmen, die auf der Kippe vom Investment-Grade zum Non-Investment-Grade für schwächere Schuldner stehen.

Auf dieser Schwelle liegt mit den Ratings "BBB-" von S&P und Fitch und "Baa3" von Moody's zum Beispiel der Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Bei Moody's und Fitch ist der Ausblick für das Rating negativ. S&P setzte es Anfang Juni auf die Liste für die Herabstufungskandidaten. Daraufhin stieg die Rendite der im Februar platzierten fünfjährigen Anleihe von Thyssen-Krupp (ISIN: DE000A0T6K1) kurz von 6,7 Prozent auf 7,2 Prozent, ist aber seither auf 4,8 Prozent gefallen.

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