Herabstufungswelle: S&P-Chef verteidigt Ratings

Herabstufungswelle
S&P-Chef verteidigt Ratings

S&P war die erste der großen Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit der USA herabstufte. Kurz darauf wurde Doug Peterson Chef des Unternehmens. In seinem ersten Interview wehrt er sich gegen Kritik.
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New YorkGehen die Ratingagenturen zu aggressiv vor? Angesichts der Herabstufung von Staatsanleihen aus den USA und Europa haben Kritiker die Ratingagenturen und ihre Methoden in Frage gestellt. Gegen diese Kritik wehrt sich nun der neue Chef der Ratingagentur Standard & Poor's, Doug Peterson.

Peterson sagte dem „Wall Street Journal“, das Unternehmen folge lediglich den Kriterien, die es an Ratings für Staatsschulden anlege. „Wir haben ein Weltklasse-Team für Staatsschulden“, sagte Peterson, der am 12. September die Spitzenposition bei S&P von Deven Sharma übernommen hatte. Die Kriterien für eine Bewertung der Schulden eines Landes „bilden den Kern dessen, wie wir analysieren.“ Den von S&P veröffentlichten Kriterien zufolge wurden die entsprechenden Standards Ende Juni 2011, kurz vor der Herabstufung der USA verschärft.

Die Herabstufungen der USA und europäischer Länder seien ein Indikator, dass „S&P seine Herangehensweise verändert“ habe, zumindest in Bezug auf Staatsschulden, sagte Adrian Miller, Senior Vice President bei GMP Securities. S&P versuche, mehr Rückhalt am Markt zu gewinnen. „Sie versuchen zu sagen: Wir kümmern uns um dieses Thema, und wir benennen beim Namen, was wir sehen“, so Miller.

Doug Peterson hingegen sagte, sein Unternehmen schlage keinen härteren Kurs ein als seine Konkurrenten, und es versuche auch nicht, die Märkte mit seinen Analysen zu beeinflussen.

Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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  • Die Kritik an den Ratingagenturen kommt oft aus einer "populistischen Ecke". Die Kriterien für eine Bewertung des Ausfallrisikos von Forderungen an Staaten sollten sicherlich hinterfragt und ggf. auch kritisiert werden - aber ohne ein fundiertes Rating stünde die internationale Finanzstruktur (ohne Transparenz und Anhaltspunkte) auf ganz wackligen Beinen und damit vor einem gewaltigen Dilemma. Wenn eine unabhängige weitere Europa- und weltweit tätige Ratingagentur dazu käme, wäre dies m. E. nützlich für Kreditgeber und Kreditnehmer.

  • Eine Bewertung von Investitionen findet eigentlich am Markt statt. Wenn man ein zweites Bewertungssystem einführt (Ratings) tritt es in Konkurrenz zur Marktbewertung. Entweder eines der beiden Systeme wird nicht beachtet oder ein System dominiert das andere. Im Moment haben wir die Situation, dass die Ratings den Markt dominieren. Dieses tritt ein, wenn die Marktteilnehmer keine wirklichen Entscheidungen treffen, sondern die Ratingagenturen die Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen vorgeben. Insofern bestimmen die Ratingagenturen momentan die Werte.

  • Selbst wenn die Notenbank, Staatsschulden "garantiert", bedeutet die resultierende Inflation einen Wertverlust für die Gläubiger. Ergo gibt es nur einen vordergründigen Unterschied zwischen reelem Zahlungsausfall und einer Weginflationierung der Hypotheken. Ähnlich wie bei einer Kapitalerhöhung. Deswegen kann ich wenig nachvollziehen wieso USA und England, mit Ihren riesen Defiziten noch immer AAA bewertet werden.

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