Heraufstufungen zum Teil schon in den Anleihekursen der Konzerne enthalten
Bessere Telekom-Ratings sind in Sicht

Der massive Schuldenabbau der großen Telekomkonzerne könnte sich bald für die Unternehmen bezahlt machen. Denn Experten erwarten, dass die Ratingagenturen die Bonitätsnoten vieler Telekomfirmen erhöhen werden. Standard & Poor’s (S&P) betont in einem Bericht über die Bonität europäischer Telekomkonzerne die guten betriebswirtschaftlichen Daten des Sektors.

FRANKFURT/M. Die Zeichen dafür, dass die Konzerne weiter ihre Schulden abbauen und gleichzeitig ihr Betriebsergebnis verbessern würden, stünden gut, meint Guy Deslondes von S&P. „Die Kreditqualität könnte sich deshalb in den nächsten zwölf Monaten verbessern“, sagt er.

Die Anleihen der Telekomkonzerne haben viel von den guten Nachrichten bereits vorweggenommen. Die Kurse der Bonds sind stark gestiegen und im Gegenzug die Renditen gefallen. Aktuell bieten europäische Telekombonds im Schnitt nur noch 0,66 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen der Industrienationen. Vor zwölf Monaten lagen die Aufschläge noch bei 1,90 Prozentpunkten.

Auch im Jahr 2001, als die meisten Telekomkonzerne noch Ratings im Bereich Einfach-A mit entsprechend hoher Kreditwürdigkeit hatten, waren die Aufschläge höher. Damals hatten die Konzerne aber bereits um ihre Bonitätsnoten bangen müssen. Denn Fusionen und vor allem die Kosten für UMTS–Lizenzen trieben die Verschuldung in die Höhe. Um Anleihe-Investoren trotz der drohenden Ratingverschlechterungen bei der Stange zu halten, statteten viele Telekomkonzerne ihre Anleihen mit so genannten Stufenzinsscheinen aus. Dabei erhöhen sich die Kupons bei schlechteren Ratings automatisch, um die Anleger für das höhere Risiko zu entschädigen. Das hat sich für Investoren gelohnt. So liegen die Kupons der entsprechenden Bonds (s. Tabelle) meist über denen bei der Emission.

Jetzt raten Experten aber dazu, die Bonds mit Stufenzinsscheinen zu meiden. Der Grund: Wenn die Ratings erhöht werden, sinken die Kupons wieder. Am frühesten wird das bei den Anleihen von France Télécom erwartet. Rick Deutsch, Leiter des Kreditresearchs bei BNP Paribas, geht davon aus, dass S&P das Rating des Konzerns im nächsten halben Jahr erhöhen wird. Auch Moody’s – die Agentur bewertet die Bonität der Franzosen zwei Stufen schlechter als S&P – dürfte das Rating im Frühjahr anheben, wenn France Télécom den Geschäftsabschluss für 2003 vorlege, meint Deutsch.

Deutsche Telekom gilt als wenig ehrgeizig

Stephan Molt, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sieht France Télécom ebenfalls auf gutem Weg für ein besseres Rating. Da das Unternehmen schon angekündigt habe, das Verhältnis von Nettoverschuldung zum operativen Ergebnis (Ebitda) bis Ende 2005 auf 1,5 bis zwei zu senken, könnte France Télécom mittelfristig sogar wieder Ratings im A-Bereich bekommen.

Die Deutsche Telekom ist zwar auch auf gutem Weg, gilt aber als weniger ehrgeizig. Von daher sind auch Stufenzinsanleihen der Deutschen Telekom kein Problem. Denn der Bonner Konzern müsste schon von S&P und Moody’s wieder ein Rating von A- bzw. A3 bekommen, damit die Kupons sinken. Da Moody’s die Telekom aber aktuell mit Baa3 und damit drei Stufen schlechter als A3 einstuft, werden die Zinsscheine wohl noch länger höher bleiben als bei der Emission der Bonds.

Anders sieht das bei British Telecom aus. Die Briten, die sich nur noch auf das Festnetzgeschäft konzentrieren, gelten als besonders vorbildlich in der Schuldenreduktion. Molt von der LBBW kann sich gut vorstellen, dass Moody’s das Rating „in sehr naher Zukunft“ auf A3 anheben wird. Der Ratingausblick ist bei Moody’s schon positiv.

Bessere Ratings von S&P stehen zudem für den niederländischen Telekomkonzern KPN ins Haus, der ebenfalls einen positiven Ratingausblick hat. Im jüngsten Bericht zu Telekomanleihen schreibt Deslondes von S&P, dass eine Heraufstufung „in nächster Zeit“ möglich sei. Deutsch von BNP Paribas interpretiert dies dahingehend, dass S&P das Rating spätestens im ersten Quartal 2004 anheben wird.

Privatanleger, die Anleihen mit Stufenzinsscheinen gekauft haben, müssen übrigens noch eine Besonderheit beachten: Für den deutschen Fiskus gelten diese Bonds als „Finanzinnovationen“. Deshalb sind die Kursgewinne – anders als bei herkömmlichen Bonds – in jedem Fall steuerpflichtig.

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