Hochverzinsliche Anleihen
Markt für Junk-Bonds blüht

Der Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen in Europa steuert auf einen Rekord zu. In diesem Jahr haben Firmen nach Daten des Informationsdienstes Thomson Financial bereits Junk-Bonds in verschiedenen Währungen im Gegenwert von insgesamt über 16 Mrd. Euro platziert.

FRANKFURT. Das sind mehr als je zuvor in den ersten sieben Monaten eines Jahres. Die Investmentbank Barclays Capital rechnet damit, dass in diesem Jahr insgesamt neue Junk-Bonds über 28 Mrd. Euro auf den Markt kommen werden. Société Générale erwartet neue Bonds über 25 Mrd. Euro.

Im vergangenen Jahr gab es laut Thomson Financial in Europa insgesamt neue Junk-Bonds über 17,3 Mrd. Euro. 2004 – dem bisherigen Rekordjahr – wurden Hochzinsanleihen über 22 Mrd. Euro platziert. Der Markt hat sich in Europa erst mit der Einführung des Euros im Jahr 1999 entwickelt.

Junk-Bonds sind Anleihen von Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit die Ratingagenturen Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s mit Noten ab „BB+“ beziehungsweise „Ba1“ und schlechter einstufen. Die Firmen müssen deshalb für ihre Anleihen höhere Zinsen zahlen als Schuldner mit guter Bonität. Für Investmentbanken sind die Junk-Bonds attraktiv, weil sie als Konsortialführer dieser Emissionen höhere Gebühren als für Anleihen guter Schuldner bekommen.

„Getrieben wird der Markt vor allem durch Leveraged Buy Outs“, erklärt Roman Gaiser, Fondsmanager für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei Threadneedle. Bei einem Leveraged Buy Out (LBO) übernehmen Finanzinvestoren ein Unternehmen. Der Kauf wird dadurch finanziert, dass die übernommenen Unternehmen Kredite aufnehmen und Anleihen ausgeben.

Erfreulich für Investoren sei am Junk-Bond-Markt der allgemeine Trend zu größeren Einzelemissionen, meint Gaiser: „Diese liquiden Bonds lassen sich besser handeln und mischen den Markt auf.“ Auch für Banken sind Großemissionen attraktiv, weil sich die Gebühren nach dem Platzierungsvolumen richten.

Den ersten Bond über eine Mrd. Euro platzierte vor gut zwei Jahren Seat Pagine, der Anbieter der italienischen Gelben Seiten. Seitdem steigt die Zahl der neuen Junk-Bonds mit einem Volumen ab einer Mrd. Euro stetig. In dieser Woche wird der niederländische Marktforscher VNU einen Junk-Bond in drei Tranchen in Dollar und Euro über insgesamt gut 1,6 Mrd. Dollar platzieren. Milliardenschwere Deals gab es in diesem Jahr schon von Fresenius, Fiat, Nordic Telecom – der von Finanzinvestoren übernommene frühere dänische Telekomgesellschaft TDC – und dem Kabelbetreiber Unity Media.

Den Spitzenplatz unter den Emittenten sicherte sich der britische Chemiekonzern Ineos, der Ende Januar einen Mega-Bond begab. Er teilte sich in eine Euro-Tranche über 1,75 Mrd. Euro und eine Dollar-Tranche über 750 Mill. Dollar auf. Damit finanzierten die Briten einen Teil der Übernahme der BP-Tochter Innovene.

Auch insgesamt wächst der Junk-Bond-Markt, wenn auch nicht ganz so stark wie die Emissionen vermuten lassen. Der Grund: In diesem Jahr werden viele Bonds fällig, und außerdem tilgen viele Firmen ihre Emissionen vorzeitig. Die Strategen von JP Morgan rechnen für 2006 in Europa mit Fälligkeiten und Rückkäufen über 13 Mrd. Euro. „Das stützt den Markt, weil Investoren das frei werdende Geld zum großen Teil wieder in Junk-Bonds anlegen“, sagt Threadneedle-Fondsmanager Gaiser.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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