Hochverzinsliche Anleihen
Teure Junk-Bonds belasten Unternehmen

Die Kurse von hochverzinslichen Unternehmensanleihen, so genannten Junk-Bonds, sind in den vergangenen sechs Wochen deutlich gefallen. Eine gesunde Korrektur, sagen Experten. Denn die Refinanzierung für die Unternehmen mit schwacher Bonität ist inzwischen deutlich teurer – und damit zu einer Belastung geworden.

FRANKFURT. Den Begriff „Junk-Bond“ hören Investmentbanker und Fondsmanager gar nicht gerne. Sie sprechen lieber von hochverzinslichen Unternehmensanleihen. Denn Junk-Bonds heißt übersetzt so viel wie Ramsch- oder Schrottanleihen. Dass die Qualität der Anleihen von Firmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Kreditwürdigkeit bescheinigen, in den Augen vieler Investoren aber eben doch zweifelhaft und etwas ramschig ist, zeigt sich jetzt. Anleger lassen die Finger von den heißen Zinspapieren.

Die Kurse der Junk-Bonds sind in den vergangenen sechs Wochen deutlich gefallen. Anfang Juni mussten europäische Unternehmen für ihre Junk-Bonds im Schnitt noch weniger als zwei Prozentpunkte mehr Rendite als für Staatsanleihen zahlen, um Abnehmer für die Papiere zu finden. Inzwischen ist der durchschnittliche Risikoaufschlag auf 2,6 Prozentpunkte und damit kräftig gestiegen. Experten bezeichnen dies aber als gesunde Korrektur, die überfällig war.

Dennoch ist die Refinanzierung für die Unternehmen mit schwacher Bonität inzwischen deutlich teurer geworden – zumal die zu Grunde liegenden Renditen für Staatsanleihen im Einklang mit den erwarteten und bereits erfolgten Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) schon seit fast zwei Jahren kräftig anziehen. So ist die Rendite von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen seit September 2005 auf rund 4,6 Prozent und damit um mehr als anderthalb Prozentpunkte in die Höhe geschnellt. Das trifft auch Private-Equity-Häuser, die Kredite für Übernahmen oft mittelfristig über Junk-Bonds der übernommenen Unternehmen ablösen. Die größten Käufer von Junk-Bonds sind Fondsgesellschaften, Banken, Versicherer und Hedge-Fonds.

Noch halten Experten das Problem aber für beherrschbar. „Die Risikoaufschläge liegen trotz des jüngsten Anstiegs immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau“, betont Christine Li, Volkswirtin bei der Ratingagentur Moody’s. So mussten Unternehmen mit schwachen Ratings vor fünf Jahren – während des Platzens der Blase an den Aktienmärkten – noch Risikoaufschläge von gut 13 Prozentpunkten bieten. Dass die Risikoprämien wieder so stark steigen, glaubt niemand, allerdings haben nur die wenigsten Fachleute günstigere Refinanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmen auf der Agenda.

Noch schlagen die höheren Kosten für die Fremdkapitalaufnahme auch nicht so stark zu Buche, weil in diesem und im nächsten Jahr nur relativ wenige Junk-Bonds fällig werden, für die Firmen neues Kapital über Anleihen aufnehmen müssen. Dies werde sich aber ab 2009 ändern und einige Unternehmen in die Bredouille bringen, meint Vivek Tawadey, leitender Kreditstratege bei der französischen Bank BNP Paribas.

Die Ratingagenturen warnen schon länger, dass höhere Refinanzierungskosten gerade die Firmen mit hoher Verschuldung und besonders schwacher Bonität härter treffen könnten. Dies würde die aktuell sehr niedrige Ausfallrate von 1,4 Prozent in die Höhe treiben.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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