Hochzins-Anleihen
Die Guten in der Schrottklasse

Das Risiko mit hochverzinsten Anleihen wächst. Welche der Papiere für Anleger trotzdem interessant sind.
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Henry Kravis braucht Geld. Viel Geld. Der Mitgründer der Beteiligungsgesellschaft KKR will den amerikanischen Versorger TXU kaufen. Etwa 45 Milliarden Dollar brauchen Kravis und der Finanzinvestor Texas Pacific Group, um die Übernahme gemeinsam zu stemmen. Noch vor ein paar Wochen wäre es für Kravis ein Kinderspiel gewesen, die Summe aufzutreiben. Er hätte ein paar Milliarden aus seinen KKR-Fonds genommen, sich rund 35 Milliarden Dollar bei Banken geliehen und die Schulden dem übernommenen Versorger in die Bilanz gedrückt.

Doch plötzlich bläst den Finanzinvestoren der Wind ins Gesicht. Anleger kaufen nicht mehr jede Unternehmensanleihe. Der zweitgrößte amerikanische Lebensmittellieferant U. S. Foodservice konnte ebenso wenig wie der Plastikhersteller Myers Industries und der Kohleproduzent Magnum Coal milliardenschwere Anleihen an den Mann bringen. Auch der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal holte sich eine Klatsche ab. Eine Milliarde Euro sollten ihm Anleihe-Investoren für sein neu geschmiedetes Stahlkonglomerat Arcelor-Mittal bringen - abgesagt. Papiere im Gegenwert von zwölf Milliarden Dollar lehnten Investoren allein in den USA im Juni ab.

Die Turbulenzen belasten auch die Kurse der bereits an der Börse notierten Anleihen. "Bei risikoreicheren Papieren wie Unternehmensanleihen könnte sich der bisher geringe Renditeabstand zu Staatspapieren ausweiten", sagt Christof Kessler, Leiter Rentenfondsmanagement bei Sal. Oppenheim in Köln. Sichere Papiere bringen derzeit 4,6 Prozent, hochriskante im Durchschnitt 7,1 Prozent Rendite. Insbesondere bei Anleihen, die von den Ratingagenturen der sogenannten Schrottklasse zugeordnet sind, droht Ungemach. "Die Nervosität ist sehr hoch, und viele Investoren sind sehr, sehr vorsichtig", sagt Roman Gaiser, Fondsmanager für Hochzins-Bonds bei Threadneedle in London.

Anleger, die einige Auswahlkriterien beherzigen, finden jedoch auch in der generell riskanteren Schrottklasse geeignete Papiere, um ihr Depot mit einem Schuss höherer Rendite aufzupeppen. Doch ohne die Bereitschaft, zwischenzeitliche Turbulenzen auszusitzen, geht es nicht. Der Lohn: Mit der richtigen Mischung sind bis zu 7,5 Prozent bei überschaubarem Risiko drin. Schrottanleihen stammen aus allen Branchen, ihre Rückzahlung wird von den Ratingagenturen als nicht sicher eingeschätzt. Wobei der Schrottstatus nicht bedeutet, dass die Papiere von dubiosen Unternehmen stammen müssen. Darunter finden sich so bekannte Namen wie Fresenius, Degussa oder Hornbach. Das höchste unter den schlechten Ratings liegt bei BB+.

Im Juni stieg die Rendite von Schrottanleihen im Euro-Raum von rund 6,5 Prozent um durchschnittlich 0,55 Prozentpunkte, weil die Kurse fielen. Anleihen der Baumarktkette Hornbach beispielsweise verloren zwei Prozent an Wert, Escada-Papiere machten keine gute Figur und gingen um knapp drei Prozent in die Knie. Profizocker mussten zusehen, wie Bulgaria-Steel-Anleihen binnen eines Monats 14 Prozent abstürzten.

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