Hochzinsanleihen
Dünne Luft für Firmen

Restrukturierungen von Unternehmen werden für die Banken in den nächsten Quartalen ein wichtiges Thema sein. Viele Unternehmen tragen eine zu hohe Schuldenlast, so dass ihnen langsam die Luft zum Atmen ausgeht. Banken erwarten deshalb eine Welle an Restrukturierungen - Hochzinsanleihen bieten Entlastung, sind aber nicht alternativlos.

FRANKFURT. Restrukturierungen von Unternehmen werden für die Banken in den nächsten Quartalen ein wichtiges Thema sein. "Das gilt auch für Firmen aus Portfolios von Finanzinvestoren", stellt Hermann Prelle fest, Ko-Chef Investment-Banking in Europa der Schweizer UBS. Sogar eine Insolvenzwelle befürchtet der Unternehmensberater Stefan Sanne von Deloitte. Er begründet das unter anderem mit dem Vorfinanzierungsbedarf nach dem Abbau der Vorräte in der Krise.

Banker Prelle sieht als Rettungsmaßnahmen vor allem Umschuldungen. Nur durch sie könne die Überlebensfähigkeit gesichert werden. Prelle sieht "durchaus bis zu 15 größere Fälle in den nächsten zwölf Monaten, die auf die deutsche Wirtschaft zukommen".

Dabei machen die Restrukturierungen nicht vor bestimmten Branchen halt. Derzeit werden nach der Beobachtung von Berthold Fürst, Chef des Bereiches Fusionen und Übernahmen der Deutschen Bank in Deutschland, Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen wieder fit gemacht: Von der Autobranche - einschließlich der Zulieferer - über Banken und den Einzelhandel bis hin zum Industriegeschäft und zur Pharmabranche.

Bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) im Rahmen einer Restrukturierung spielt oft die große Zahl von Interessengruppen, die direkt oder indirekt mit am Verhandlungstisch sitzen, eine Rolle. "Das bremst zuweilen und zieht einen erhöhten Zeitbedarf nach sich", sagt Fürst.

Im Klartext: Neben Insolvenzverwaltern, Management, Eigentümern und kreditgebenden Banken dürfen immer öfter auch die Arbeitnehmer als direkt am Unternehmen Beteiligte mitreden, außerdem noch sogenannte Treuhänder. Diese Trustees nehmen die Rolle des Eigentümers wahr, wie das etwa bei der in Schwierigkeiten geratenen Unternehmensgruppe Merckle der Fall ist.

Als ein Zeichen für mögliche Krisensymptome deutet es Berater Sanne, wenn Firmen Forderungen verkaufen (Factoring): "Dann schauen Banken und Unternehmensberater genauer hin." Prelle sagt eine verstärkte Nutzung des Kapitalmarktes durch die Unternehmen voraus, die die Last der Schulden lindern soll. Nach einer Rekordwelle an Emissionen bei qualitativ hochwertigen Anleihen sieht er in Zukunft mehr Hochzinsanleihen von Unternehmen mit schlechterer Bonität auf dem Markt. Auch die verringerte Kreditkapazität der Banken zwinge zu diesem Schritt. "Bis Ende des Jahres ist mit bis zu zehn Hochzinsanleihen mit jeweils dreistelligem Millionenvolumen zu rechnen", sagt er voraus.

Dass die Emissionen von sogenannten High-Yield-Bonds weltweit rund laufen, zeigen Zahlen des Finanzdatenanbieters Dealogic. Aktuell beläuft sich das Volumen auf insgesamt rund 119 Mrd. Dollar und liegt damit um 25 Prozent über dem Vorjahr. Prelle führt das auf die steigende Risikobereitschaft der Anleger zurück. Das gelte sowohl für die klassischen Rentenfonds als auch für neue Fonds, die sich bei ihren Investments auf Hochzinsanleihen konzentrierten. "In dynamischen Märkten löst die Konzentration auf Rendite immer mehr den Schwerpunkt auf Sicherheit ab", sagt der Investmentbanker.

Einen weiteren Ausweg aus der Schuldenklemme bieten nach Ansicht von Fürst auch Kapitalerhöhungen, die ein wichtiges Thema bleiben.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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