Höchsten Aufschläge bieten nach wie vor Anleihen aus Lateinamerika, die niedrigsten osteuropäische Bonds
Anleger unterschätzen Anleiherisiken

Die Anleihekurse in vielen Schwellenländern (Emerging Markets) sind dieses Jahr so stark gestiegen, dass Experten vor Rückschlägen warnen. Viele Investoren unterschätzten die Risiken solcher Anlagen, monieren die Fachleute.

FRANKFURT/M. Die Risikoprämie (Spread) der Schwellenländeranleihen sank gestern, gemessen am Index „EMBI+“ von JP Morgan, auf Grund der hohen Nachfrage auf das Rekordtief von 2,47 Prozentpunkten. Das heißt, die auf Dollar lautenden Bonds aus Süd- und Mittelamerika, Osteuropa, der Türkei, Russland und Asien werfen nicht einmal 2,5 Prozentpunkte mehr Rendite ab als sichere US-Anleihen. Vor zwei Jahren lagen die Spreads noch bei 10,4 Punkten.

„Anleger kaufen heute zu geringen Risikoprämien Bonds, die sie früher nicht angefasst hätten“, sagt Matthias Krieger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und fügt hinzu: „Die generell stark gesunkenen Kapitalmarktzinsen treiben Anleger kontinuierlich in Schwellenländeranleihen, die einen Rendite-Pick-up im Vergleich zu Staatsanleihen der Industrienationen bieten. Dabei wird aber das Risiko oft vergessen.“

Die Experten der US-Bank Lehman Brothers werden bei Zinspapieren aus Schwellenländern ebenfalls „langsam vorsichtig“. Die Anleihen seien schlicht und ergreifend sehr teuer, und deshalb wachse die Gefahr von Rückschlägen. „Zumindest teilweise reflektieren die Anleihen von Emerging Markets nicht mehr das Risiko“, ist auch Torsten Hähn von der WGZ-Bank sicher.

Die höchsten Aufschläge bieten nach wie vor Anleihen aus Lateinamerika, die niedrigsten osteuropäische Bonds.

„In den vergangenen beiden Jahren haben sich die Schwellenländer aber auch wirtschaftlich sehr verbessert“, sagt Helene Williamson, Leiterin des Anleiheteams für Emerging Markets bei der britischen Fondsgesellschaft F&C Asset Management. „In vielen Ländern ist der Grad der Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt stark gesunken, außerdem sind viele Schwellenländer große Ölexporteure und profitieren vom stark gestiegenen Ölpreis.“ Die besseren ökonomischen Daten spiegelten sich in den niedrigen Risikoaufschlägen und auch den besseren Bonitätsnoten der Ratingagenturen wider.

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