Hohe Nachfrage institutioneller Anleger
Emissionen von Hochzinsanleihen steuern in Europa auf Rekord zu

Das Emissionsvolumen bei Hochzinsanleihen in Europa steuert in diesem Jahr auf ein Rekordvolumen zu. Sinkende Ausfallraten und niedrige Renditen bei Staatsanleihen machen den Anlegern die renditestarken aber bonitätsschwachen Papiere schmackhaft.

Bloomberg LONDON. Seit Jahresanfang haben die Investoren Papiere mit „Ramsch“- Rating für 25 Mrd. Dollar gekauft, verglichen mit 25,5 Mrd. Dollar im gesamten letzten Jahr, zeigen Bloomberg-Daten. Die Ausfallquote lag von Januar bis Ende September bei 1,56 Prozent, nach 1,73 Prozent in der gleichen Periode des Vorjahres, berichtet Moody’s Investors Service.

Der europäische Markt für Junk-Bonds, also Anleihen, die von Moody’s Investors Service eine Note unter „Baa3“ und von Standard & Poor’s schlechter als „BBB-“ erhalten, ist in den vergangenen zwölf Monaten um 15 Prozent auf knapp 74 Mrd. Dollar gewachsen. Inzwischen warnt die Ratingagentur Standard & Poor’s, das gestiegene Emissionsvolumen dürfte in den kommenden zwei Jahren für höhere Ausfallraten sorgen.

„Es ist schwer, anständige Renditen zu erzielen, wenn man keine Junk-Bonds hat“, sagt Adam Cordery, Fondsmanager bei Schroeder’s Investment Management in London. „Wenn die Ausfallraten wirklich steigen, wird sich der Markt aufspalten“, erwartet Cordery. „Gute Unternehmen werden gut abschneiden, weil die Anleger die Rendite wollen, aber nicht so viel Risiko. Unternehmen mit schlechterer Bonität, deren Anleihen ein sehr viel spekulativeres Investment sind, könnten ziemlich einbrechen.“

In diesem Jahr hat in Europa lediglich ein Emittent seine Anleiheverpflichtungen nicht bedient, die schwedische Concordia Bus AB. Die Analysten bei Moody’s sehen jedoch Anzeichen, dass die Risiken bei Unternehmensanleihen steigen. Im Oktober stufte die Ratingagentur ein Unternehmen im Junk-Bereich hoch und drei herab. Im Vormonat hatten drei Unternehmen eine bessere Bonitätsnote erhalten und nur eins eine schlechtere.

Für die Anleger sind Junk-Bonds wegen ihrer hohen Renditen interessant. In diesem Jahr ist die Rendite der Hochzinsanleihen um 0,54 Prozentpunkte auf durchschnittlich 6,86 Prozent gestiegen, Investoren konnten einen Ertrag von 5,53 Prozent einstreichen, zeigen Indizes von Merrill Lynch. Staatsanleihen aus der Euro-Region brachten den Anlegern 3,8 Prozent einschließlich wieder investierter Zinsen.

Nachdem viele Emittenten in den vergangenen Jahren ihre Bonität verbessert haben, indem sie Schulden abbauten, ist der Junk-Bond-Markt nun für viele Investoren eine lukrative Alternative. „Im Laufe des vergangenen Jahres haben Anleger, die traditionell auf Investmentgrade-Stufe investieren, den Schritt gewagt und sind auf der Ratingskala in den Ramsch-Bereich abgestiegen“, sagt Axel Potthof, Fondsmanager bei Pacific Investment Management, einer Tochter der Allianz. „Unternehmen, Banken und Versicherungen müssen ihre Renditen aufpeppen, und die traditionellen Märkte für Staatsanleihen und Unternehmenspapiere auf Investment-Grade bringen sehr niedrige Renditen.“

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