Hohe Risikoaufschläge
Anlageexperten halten Telekomanleihen für zu teuer

Die schwache Entwicklung der europäischen Telekomaktien macht auch den Experten für Unternehmensanleihen Sorgen. „Die Telekomunternehmen werden sich noch mehr auf die Interessen ihrer Aktionäre fokussieren, und das ist schlecht für die Gläubiger“, sagt Christian Albrecht, Analyst für Telekombonds bei der DZ Bank.

FRANKFURT. Der Grund: Höhere Dividenden, Aktienrückkäufe und Übernahmen – alles Faktoren, die den Aktienkurs beflügeln – kosten Geld. Das verschlechtert die Bonität.

Schon seit Anfang 2005 fallen die Kurse der Telekomanleihen. Attraktiv sind die Papiere aber nach Ansicht von Experten trotz der dementsprechend höheren Renditen nicht. Im Schnitt gibt es für europäische Telekombonds nur gut 0,7 Prozentpunkte mehr Rendite als für erstklassige Euro-Staatsanleihen. „Die Risiken werden damit nicht angemessen entgolten“, urteilt Stephan Haber von der HVB.

Das sehen viele Banken so und empfehlen deshalb, Telekomanleihen im Bondportfolio unterzugewichten. Sorgen bereitet den Analysten auch die Welle von Fusionen und Übernahmen (M&A) in der Branche. Milliarden-Deals gab es seit 2005 von France Télécom, die den Mobilfunkbetreiber Amena kaufte; Telefónica erwarb Cesky Telekom, die Deutsche Telekom übernahm über ihre Tochter T-Mobile die österreichische Telering, und KPN kaufte den niederländischen Mobilfunkkonzern Telfort. Zudem belasten kreditfinanzierte Übernahmen – so genannte Leveraged Buy Outs (LBO) – die Branche.

Nach solchen Übernahmen verschlechtern sich die Ratings meist drastisch. In diesem Jahr haben fünf Finanzinvestoren den dänischen Telekomkonzern TDC über ein LBO gekauft, der inzwischen als Nordic Telecom firmiert. Als LBO-Kandidaten, die von Finanzinvestoren zerschlagen werden könnten, gelten KPN, Telekom Austria oder British Telecom. „Dabei hängen LBO-Risiken und M&A-Risiken eng zusammen“, sagt Haber von der HVB. Denn alle LBO-Kandidaten könnten auch von einem Wettbewerber übernommen werden.

Zudem hat der Schuldenabbau der Unternehmen, der zuvor jahrelang die Kurse der Telekombonds nach oben getrieben hatte, offenbar keine hohe Priorität mehr. Ihre Ratings wollen Unternehmen wie Deutsche Telekom oder France Télécom ausdrücklich nicht weiter verbessern. „Der Ratingtrend in der Branche insgesamt hat sich bereits verschlechtert“, sagt Albrecht von der DZ Bank. Dazu belastet die schärfere Regulierung in der EU, die auf einen stärkeren Wettbewerb zielt und damit die Margen drückt, die Telekomkonzerne.

Auch in den USA steigt der Wettbewerb in der Telekombranche. „Dabei geht es vor allem um die Konkurrenz zwischen den großen und den regionalen Anbietern“, sagt Diane Vazza von der Ratingagentur Standard & Poor’s. Die meisten US-Telekomkonzerne haben lediglich Bonds in Dollar ausstehen. Sie bieten zwar – schon allein wegen des höheren Zinsniveaus in den USA – mehr Rendite als Euro-Anleihen. Dafür können Währungsverluste das Renditeplus schnell aufzehren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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