Hohe Risikoprämien
Unternehmensbonds locken

Die Renditen für Unternehmensanleihen sind derzeit so gut wie lange nicht mehr. Auch wenn die Quartalszahlen der Unternehmen einbrechen, erwarten Experten einen Anstieg der Risikoprämien. Besondere Chancen haben Anleihen in der Versorger- und Telekommunikationbranche.

FRANKFURT. Investoren, die Unternehmensanleihen kaufen, werden dafür so üppig belohnt wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Dabei lassen sich auch für Schuldner mit guter Kreditqualität im Bereich Investment-Grade Renditen von im Schnitt sieben Prozent erzielen. Vor gut einem Jahr mussten sich Investoren noch mit durchschnittlichen Renditen von etwa fünf Prozent und davor lange Zeit mit Effektivverzinsungen von unter vier Prozent zufrieden geben.

Doch die Finanzkrise und die Sorgen vor einer schweren Rezession lassen Investoren vor Unternehmensanleihen zurückschrecken. Seit Anfang Oktober sind die Kurse nochmals deutlich gefallen und im Umkehrschluss die Renditen und Risikoaufschläge stark gestiegen. "Inzwischen spiegeln die Kurse und Renditen von Firmenbonds schon sehr viel Pessimismus wider, trotzdem weiß niemand, ob es nicht noch schlimmer kommt, deshalb halten sich Investoren zurück", sagt Willem Sels, leitender Kreditstratege bei Dresdner Kleinwort. Als besondere Belastung sieht er, dass sich die Geldmärkte nur sehr langsam stabilisieren und zunehmend auch Schwellenländer in den Sog der Finanzkrise geraten.

Zumindest zu einem Teil sind die deutlich gefallenen Kurse der Anleihen von Unternehmen guter Bonität aber auch auf Zwangsverkäufe von institutionellen Investoren zurückzuführen. "Banken trennen sich im Zuge des Deleveraging von Unternehmensanleihen und verkaufen dabei vor allem Bonds guter Bonität, weil sich dafür noch am ehesten Abnehmer finden lassen", erklärt Christian Albrecht, Analyst für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank. "Dazu kommt, dass Fondsgesellschaften, die Abflüsse von Anlegergeldern zu verzeichnen haben, zunächst ebenfalls Unternehmensanleihen im Bereich Investment-Grade verkauft haben, weil dort die Kurse zunächst noch nicht so stark gefallen waren und sich so der Abschreibungsbedarf in Grenzen hielt", sagt Albrecht. Die Verkäufe trieben die Kurse der Bonds dann aber weiter nach unten. Dabei spielt auch eine Rolle, dass der Handel mit Unternehmensanleihen im Zuge der Finanzkrise ausgetrocknet ist und schon kleinere Verkäufe die Kurse massiv drücken. "Durch diese Gemengelage haben wir ein zum Teil irrationales Preisgefüge, bei dem gute Bonitäten besonders unter Druck geraten sind", meint Albrecht.

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