Hohe Zinsen
Renditejäger kaufen portugiesische Anleihen

Portugiesische Staatsanleihen sind seit Wochen auf Talfahrt, die Renditen entsprechend auf Rekordniveaus gestiegen. Doch nicht alle Investoren machen einen Bogen um das stark verschuldete südeuropäische Land. Eine Emission neuer Bonds mit einjähriger Laufzeit traf auf hohe Nachfrage.
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HB LISSABON. Trotz wachsender Zweifel an seiner Finanzkraft hat Portugal frisches Geld von Investoren eingesammelt - allerdings zu einem hohen Preis. Die mit dem Schuldenmanagement des Staates betraute Finanzagentur platzierte am Mittwoch Staatsanleihen mit einjähriger Laufzeit im Volumen von 500 Millionen Euro erfolgreich am Markt. Die Nachfrage war stark: Sie übertraf das Angebot um das 2,5-Fache. Der Euro legte deshalb deutlich zu.

Allerdings musste Portugal die Anleger mit hohen Zinsen belohnen. Der durchschnittliche Zinssatz lag bei 5,281 Prozent, wobei die Spanne von 5,0 bis 5,4 Prozent reichte. Damit wurde die psychologisch wichtige Fünf-Prozent-Marke übertroffen. Bei der vorangegangen Auktion hatte der durchschnittliche Zinssatz mit 4,813 Prozent noch deutlich darunter gelegen.

Nach der Rettung Irland und Griechenlands durch milliardenschwere Hilfsgelder der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds ist das finanzschwache Portugal ins Visier der Finanzmärkte geraten. Es wird spekuliert, dass es früher oder später ebenfalls unter den EU-Schutzschirm schlüpfen muss. Die Anleihen-Emission nach der Rettung Irlands galt deshalb als Lackmustest für die Kreditwürdigkeit Portugals.

Die EU-Kommission rechnet in diesem Jahr mit einem Staatsdefizit in dem kleinen Land von 7,3 Prozent, dass sich in den kommenden beiden Jahren auf rund fünf Prozent einpendeln werde. Erlaubt sind nach den EU-Verträgen maximal drei Prozent.

Verschärft werden die Probleme durch die schwache Wirtschaft: Sie dürfte in diesem Jahr um ein Prozent schrumpfen, weil der private Konsum durch die Sparpakete der Regierung gedämpft wird. Sie hatte unter anderem die Mehrwertsteuer angehoben und Sozialleistungen gekürzt.

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