Hohe Zinsscheine sollten aber leichte Kursverluste kompensieren – Die Ausfallrate der Papiere steigt
Bei Junk-Bonds wird die Luft dünner

Unternehmensanleihen haben Anlegern in den ersten Monaten des Jahres wenig Freude bereitet. Vor allem die Gewinnwarnung von General Motors in der vergangenen Woche löste ein Beben an den Bondmärkten aus. Die Kurse sanken quer durch alle Branchen, und die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen stiegen.

FRANKFURT/M. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas beruhigt. Und die Risikoaufschläge (Spreads) von europäischen Unternehmensanleihen sind mit im Schnitt knapp 0,60 Prozentpunkten immer noch niedrig. Dennoch sind Investoren schon seit über einem halben Jahr nervös und trauen den Unternehmensanleihen nicht mehr so recht über den Weg.

Etwas entspannter sind Fondsprofis, die auf hochverzinsliche Unternehmensanleihen mit schlechten Ratings setzen. Die Risikoaufschläge dieser Anleihen, die neben Junk-Bonds auch Schrottanleihen oder High-Yield-Bonds genannt werden, sind zwar im Schnitt auf niedrige 2,80 Prozentpunkte gesunken, die hohen Zinsscheine dieser Bonds gleichen leichte Kursverluste aber zum Teil aus. Die Papiere haben in diesem Jahr Gesamterträge an Kursgewinnen und Zinszahlungen von 1,5 Prozent gebracht – mehr als doppelt so viel wie Firmenbonds mit Ratings im sicheren Investment-Grade.

„In diesem Jahr werden High-Yield-Bonds Gesamterträge zwischen fünf und sieben Prozent bringen“, meinen Anton Simon, Fondsmanager bei Putnam Investment, und Michael Ludwig, Finanzvorstand bei dem auf Hochzinsanleihen spezialisierten Asset-Manager Muzinich & Co, übereinstimmend. Insgesamt seien Junk-Bonds zwar kein Schnäppchen mehr, Ängste vor massiven Rückschlägen seien aber unbegründet, sagt Ludwig. Die Kreditqualität der Unternehmen habe sich deutlich verbessert und daher sei auch nur noch eine geringere Risikoprämie nötig. Zudem gebe es immer mehr Nachfrage von institutionellen Investoren nach den hochverzinslichen Papieren. Ein Ende dieses Trends sei nicht abzusehen.

Auch Simon sieht die niedrigen Risikoaufschläge entspannt. So hätten sich die Spreads in den USA von Ende 1993 bis Ende 1998 in einer teils noch niedrigeren Spanne als der aktuellen bewegt.

Unabhängig vom Markttrend ist bei riskanten Hochzinsanleihen die Auswahl besonders wichtig. „Man muss ein Unternehmen und das Management genau beobachten und gegebenenfalls schnell verkaufen“, sagt Putnam-Fondsmanager Simon. Die Strategie „Kaufen und halten bis zur Fälligkeit“ geht bei Junk-Bonds nicht auf. Nach Statistiken der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) kann ein Fünftel aller Unternehmen mit Ratings im Bereich „BB“ – also mit dem geringsten Risiko unter den Junk-Bonds – seine Anleihen nach zehn Jahren nicht mehr bedienen. Moody’s fürchtet zudem, dass die jährliche Ausfallrate in den nächsten zwölf Monaten von 2,5 auf 3,5 Prozent steigen wird. Außerdem sieht die Ratingagentur ein „signifikantes Risiko“, dass ein Teil der Unternehmen mit schlechteren Ratings als Doppel-B seine in den nächsten drei Jahren fälligen Bonds nicht mehr über neue Anleihen refinanzieren kann. Das brächte die Firmen in massive Schwierigkeiten.

Die könnte auch General Motors (GM) bekommen, wenn Experten Recht haben und S&P und Fitch den Autogiganten bald in die Klasse der spekulativen Schuldner verbannen. GM würde dann mit seinen Anleihen über rund 115 Mrd. Dollar zehn Prozent des amerikanischen und 20 Prozent des europäischen High-Yield-Markts ausmachen. Simon und Ludwig sehen auch das gelassen. Denn viele Fonds unterliegen einer Anlagegrenze, ein einzelner Schuldner darf demnach nicht mehr als drei Prozent Gewicht haben. Interessiert könnten hingegen spezialisierte Hedge-Fonds sein, die ganz bewusst solche Risiken einkaufen.

Nach Meinung von Ludwig werden GM-Anleihen angesichts der stark gestiegenen Renditen auch für High-Yield-Fonds interessant. Er glaubt aber, dass die Renditen noch etwas steigen werden. Die 2011 fällige Euro-Anleihe des Konzerns fände er ab einer Rendite von gut neun Prozent interessant.

Unter den europäischen Junk-Bonds hält Ludwig unter anderen die irische Telekomgesellschaft Eircom und den deutschen Triebwerkshersteller MTU für recht solide Anlagen. Bei Simon gehören Bonds von Seat Pagine – dem Anbieter der italienischen gelben Seiten – und der niederländische Einzelhändler Ahold zu den größeren Investments. Auch den neuen Bond des französischen Elektroherstellers Rexel mag er.

Banken raten Privatanlegern aber ausdrücklich dazu, bei Junk-Bonds nur Fonds zu kaufen. Denn diese können die Unternehmen besser beobachten und zudem das Risiko breit streuen, so dass einzelne Ausfälle nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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