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Die Rückkehr der Wandelanleihen

Wandelanleihen sind wieder gefragt. Vor allem viele kleinere Unternehmen nutzen diese Möglichkeit, um sich am Kapitalmarkt zu bedienen. Warum Wandelanleihen bei Unternehmen und Anlegern ein Comeback feiern.

DÜSSELDORF. Gerade erst hat sich der französisch-amerikanische Telekommunikationsausrüster Alcatel-Lucent auf diesem Weg eine Mrd. Euro frisches Kapital beschafft. Wie die LBBW errechnete, hat das Emissionsvolumen außerhalb der Finanzbranche 2009 in Europa bereits etwa zwölf Mrd. Euro erreicht. Im Gesamtjahr 2008 waren es nur etwas mehr als drei Mrd. Euro. Vor allem der milliardenschwere Wandler des Stahlriesen Arcelor-Mittal im April lockte über 300 Investoren.

Die Volumina der Emissionen deutscher Unternehmen sind zwar geringer als die des luxemburgischen Weltkonzerns. Doch vor allem viele mittelgroße Unternehmen mit einem Rating im unteren Investmentgrade-Bereich oder schlechter nutzen diese Möglichkeit, sich am Kapitalmarkt zu bedienen. LBBW-Analyst Michael Stein sagt: "Im zweiten Halbjahr 2009 erwarte ich, dass die Ausgabe von Wandelanleihen weiterhin eine Option für bonitätsschwächere Unternehmen sein könnte." Denn im Gegensatz zu Bankkrediten beinhalten Wandelanleihen in der Regel keine Kreditvereinbarungen.

Bei Wandelanleihen besteht also nicht die Gefahr, dass die Bank den Kredit fällig stellt, falls ein Unternehmen die vereinbarten Kennzahlen nicht einhalten kann. Außerdem sind Wandelanleihen aus Sicht des Emittenten günstiger als gewöhnliche Unternehmensanleihen. Das Recht, die Wandelanleihe in Aktien zu tauschen, erkaufen sich die Investoren durch geringere Zinserträge. "Wenn wir eine Unternehmensanleihe begeben hätten, wäre der Zinskupon doppelt so hoch gewesen wie bei unserer Wandelanleihe", sagt der Finanzvorstand eines MDax-Konzerns.

Eine Wandelanleihe ist vor allem dann eine Option, wenn ein Unternehmen fürchtet, nicht genügend Investoren für eine Kapitalerhöhung zu finden. Denn durch den Zinskupon sprechen Wandelanleihen auch vorsichtige Anleger an. Eine Kapitalerhöhung über Wandelanleihen, die einen Beschluss der Hauptversammlung erfordert, kommt in Betracht, wenn der Aktienkurs niedrig ist. Dann könnte das Unternehmen über eine ordentliche Kapitalerhöhung nicht genügend Geld einspielen. LBBW-Experte Stein: "Auch die Altaktionäre stimmen möglicherweise einer bedingten Kapitalerhöhung eher zu, da der Verwässerungseffekt des Aktienanteils erst später eintritt."

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