Hybrid-Anleihen
Renditekick bei Firmenbonds

Nachrangige, hybride Anleihen von soliden Unternehmen sind riskanter als herkömmliche Bonds. Dafür aber lukrativer. Zu den Käufern gehören bisher vor allem Fonds und Versicherer. Und das Interesse der Investoren wächst.
  • 0

FrankfurtSiemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hat Grund zur Freude: "Wir können uns zu den historisch günstigsten Bedingungen Geld leihen, die wir jemals hatten", sagte er Anfang des Monats der Nachrichtenagentur DPA. Das will Siemens nutzen und Anleihen ausgeben, um mit dem Geld eigene Aktien zu kaufen. Was die Unternehmen glücklich macht, ist für Anleger, die jetzt Anleihen kaufen wollen, traurig. Für Zinspapiere großer, solider Konzerne bekommen sie kaum noch Rendite. Die Angst um die Euro-Schuldenstaaten auf der einen und die ebenfalls historisch niedrigen Renditen für deutsche Bundesanleihen auf der anderen Seite lassen immer mehr Investoren zu Firmenbonds greifen. Die Folgen sind gestiegene Kurse und gesunkene Renditen.

Eine in viereinhalb Jahren fällige Siemens-Anleihe zum Beispiel wirft aktuell nur gut ein Prozent Rendite ab, und bei anderen deutschen Großkonzernen gibt es auch nicht viel mehr. Deshalb entdecken immer mehr Investoren sogenannte hybride, nachrangige Anleihen von Unternehmen. Die sind komplizierter und riskanter als herkömmliche Bonds, bieten aber auch höhere Zinsen.

Zu den Hauptrisiken gehört, dass die Unternehmen die Zinszahlungen ausfallen lassen können. Die einfachste Regel ist, dass es keine Zinsen gibt, wenn ein Konzern keine Dividende zahlt. Zudem haben die Anleihen Laufzeiten von über 50 Jahren, teils laufen sie unendlich. Die Schuldner können sie indes zu bestimmten Zeiten freiwillig tilgen.

Hinzu kommt als Risiko, dass Besitzer nachrangiger Bonds bei einer Pleite erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden. Aus diesen Gründen stufen die Ratingagenturen Hybrid-Bonds meist zwei bis drei Stufen schlechter ein als die herkömmlichen Anleihen derselben Schuldner. Anleger schreckt das nicht: "Wer als Investor heute noch hohe Renditen mit Anleihen solider Unternehmen verdienen will, kann durch nachrangige Anleihen Zusatzrenditen erwirtschaften", erklärt Dominik Huhle, der bei Barclays das Geschäft mit neuen Anleihen von Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum leitet.

"Hybride Unternehmensanleihen kaufen vor allem Fonds und Versicherer, die auch bei den herkömmlichen Anleihen der entsprechenden Konzerne zugreifen", meint Huhle. Insgesamt ist dabei das Spektrum der hybriden Anleihen recht klein: Von Unternehmen mit guten Bonitätsnoten gibt es auf Euro lautende, halbwegs liquide nachrangige Anleihen über knapp 14 Milliarden Euro.

Kommentare zu " Hybrid-Anleihen: Renditekick bei Firmenbonds"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%