Hybrid-Papiere
Ackermann sammelt 1,25 Milliarden ein

Als erste Bank in Europa hat in diesem Jahr die Deutsche Bank eine Anleihe begeben, die sich aufs Eigenkapital anrechnen lässt. Bankchef Ackermann wollte mindestens 300 Mio. Euro aufnehmen – daraus wurden 1,25 Mrd. Euro. Die deutsche Marktführer könnte so zum „Eisbrecher“ werden, denn andere Banken folgen dem Beispiel bereits.

FRANKFURT. Auf den ersten Blick ist es paradox: Die Risiken von hybriden Bankenanleihen sind in der letzten Zeit deutlich gestiegen. Gleichzeitig sind die Risikoprämien – also die Renditeabstände im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen massiv gesunken. Im März brachten hybride Anleihen, die Banken auf ihr Kernkapital anrechnen können, im Schnitt noch über 36 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen. Inzwischen liegt der Aufschlag bei nur noch gut elf Prozentpunkten – und damit auf dem Niveau von Ende Oktober 2008.

Fachleute erklären das große Interesse an den speziellen Zinspapieren damit, dass die Kurse bis zum März so unter Druck kamen, dass sie Schnäppchenjäger anlockten. „Jetzt sind zumindest einige Hybrids zwar schon wieder vergleichsweise teuer, aber es gibt im Markt noch Chancen für risikofreudige Anleger“, sagt Olivia Frieser, Analystin für Bankenanleihen bei der französischen Großbank BNP Paribas.

Dass Anleger dies ähnlich sehen, zeigt die Emission der Deutschen Bank. Sie wagte es am Mittwoch als erste europäische Bank in diesem Jahr, eine Kernkapital-Anleihe in Euro zu begeben. Die Nachfrage war mit mehr als drei Mrd. Euro größer als die Bank selbst erwartet hatte. Das nutzte sie, um 1,25 Mrd. Euro und damit deutlich mehr als geplant einzusammeln. Das Papier wird mit 9,5 Prozent verzinst. Privatanleger können es in den nächsten Tagen über Banken und die Börse kaufen. Experten erwarten, dass noch mehr Banken dem Beispiel der Deutschen folgen werden. Am Mittwoch kündigte bereits die französische Société Générale ein Tier-1-Papier über eine Mrd. Euro an.

Als Hybrid-Kapital bezeichnet man generell Wertpapiere, die Banken auf ihr Eigenkapital anrechnen können. Dabei unterscheidet man, ob die Papiere zum Kernkapital (Tier 1) oder zum Ergänzungskapital (Upper Tier 2) zählen. Im Insolvenzfall werden die Besitzer bei Wertpapieren in beiden Kategorien erst nach den anderen Gläubigern bedient. Die Papiere haben meist eine sehr lange oder unendliche Laufzeit, können aber nach frühestens fünf Jahren von der Bank zurückgezahlt werden. Wenn die Bank in die roten Zahlen gerät, können die Zinsen ausfallen. Dabei werden die Kupons bei Upper-Tier-2-Papieren meist nachgezahlt, wenn es der Bank wieder besser geht.

In Deutschland werden für die Anerkennung unter dem Abschluss nach dem Handelsgesetzbuch Tier-1-Papiere als „stille Einlagen“ und Upper-Tier-2-Papiere als „Genussscheine“ öfter mit fester Laufzeit begeben. Dabei ist es möglich, dass die Rückzahlungsbeträge bei Verlusten der Bank herabgesetzt werden. Schmerzhaft erfahren mussten das in diesem Jahr bereits die Besitzer von Hybrid-Kapital der Dresdner Bank, der Hypo Real Estate und der maroden Mittelstandsbank IKB. Zu den hybriden Anleihen, die nicht zum ersten Kündigungstermin getilgt wurden, zählen zum Beispiel Euro-Papiere der belgischen KBC und der niederländischen Fortis Bank.

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