Hybridanleihen
Anleger stürzen sich auf riskante Bonds

Wegen niedriger Zinsen suchen Anleger hohe Renditeversprechen – und finden sie in riskanten Hybridanleihen von namhaften Unternehmen wie KLM oder Total. Die Konzerne machen sich die Risikofreude der Aktionäre zunutze.
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Die europäischen Anleger setzen verstärkt auf riskante Anleihen – obwohl deren Qualität abnimmt und der Ertrag schrumpft. Besonders die risikoreichen Hybridanleihen locken die Aktionäre. Unternehmen haben 2015 bereits entsprechende Papiere in Höhe von 19 Milliarden Euro aufgelegt. Im gesamten Vorjahr lag das Volumen insgesamt bei 28 Milliarden Euro, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Die Tendenz ist weiter steigend: Analysten der französischen Société Générale und der ING haben ihre Prognosen für dieses Jahr von 30 Milliarden auf 50 Milliarden Euro beziehungsweise 42 Milliarden Euro heraufgesetzt.

Während die Unternehmen mit Hybridanleihen ihre Schuldenquote verbessern und ihr Rating schützen können, gelten die Papiere für Anleger als riskant. Sie versprechen zwar höhere Zinsen als herkömmliche Bonds, sind aber komplizierter und werden schlechter bewertet. Bei dieser Art der Anleihen können Unternehmen nicht nur die Zinszahlungen ausfallen lassen, die Laufzeiten für die Papiere können zudem unendlich sein. Bei einer Insolvenz bekommen die Anleger solcher Anleihen zudem als letztes Glied der Gläubigerkette ihr Geld zurück.

Dass die Anleger sich trotzdem auf die Papiere stürzen, liegt an der Politik der Europäischen Zentralbank, die mit Anleihekäufen und Niedrigzinsen für sinkende Renditen in ganz Europa sorgt. Dies ermutigt Investoren dazu, ihre Qualitätsstandards zu lockern. Die durchschnittliche Bonitätsnote von Hybridanleihen ist nach Angaben von CreditSights im Februar auf ein Achtmonatstief gesunken.

Das größte Risiko sieht Thibault Colle, Anleihestratege bei der UBS in London, mit einem Blick auf die Zukunft: Die Investoren würden sich wegen der Geldpolitik „immer mehr anfreunden“ mit dem Risiko, die Unternehmen würden „immer aggressiver“ werden. „In diesem Umfeld, praktisch ohne Rendite, gibt es große Nachfrage nach diesen Anleihen“, so Colle.

Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank verzerren den Markt: Mittlerweile weisen Staatsanleihen im Volumen von rund 1,6 Billionen Dollar negative Renditen auf, die durchschnittliche Rendite für Anleihen der Bonitätsklasse Investmentgrade liegt bei einem Prozent. Hingegen rentierten Hybridbonds weltweit laut Indexdaten der Bank of America am vergangenen Donnerstag mit durchschnittlich 2,84 Prozent. Das Rekordtief im März lag bei 2,67 Prozent.

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