Hypo Real Estate
Das große Zittern am Pfandbrief-Markt

Die Liquiditätsspritze für die Hypo Real Estate über 35 Mrd. Euro bewahrt den Pfandbrief-Markt vor einem Systemtest. Analysten erwarten weiter steigende Risikoaufschläge für gedeckte Anleihen von Hypo Real Estate und Depfa, der Hypo Real Estate hafte jetzt der Makel eines Beinahe-Ausfalls an.

FRANKFURT. Analysten glauben zwar, dass die Besitzer der Pfandbriefe der Hypo Real Estate auch bei einer Insolvenz des Instituts geschützt wären. Dennoch: "Der Imageverlust für Pfandbriefe wäre bei einem Test immens, und der Markt wäre auf Monate lahmgelegt", sagt Michael Schulz, Analyst für Pfandbriefe und dem deutschen Pfandbrief ähnliche Wertpapiere (Covered Bonds) bei der NordLB. Investoren würden ihre Aufmerksamkeit dann nur noch auf den im Feuer stehenden Schuldner richten und keine neuen Pfandbriefe kaufen. Dies könnten sich Institute nicht leisten, da Pfandbriefe ihre günstigste Refinanzierungsquelle seien, betont Schulz.

Dabei liegt der Markt für neue großvolumige Jumbos seit der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers brach. Gerade deutsche Institute schaffen es aber noch, Investoren für kleinere, maßgeschneiderte Pfandbriefe zu gewinnen.

Die Hypo Real Estate und ihre Tochter Depfa haben zusammen Jumbos über knapp 50 Mrd. Euro ausstehen. Das macht sie zu einem der größten Emittenten am gut 850 Mrd. Euro schweren internationalen Jumbo-Markt.

Bei Pfandbriefen und den ihnen ähnlichen Covered Bonds sind die Zins- und Tilgungszahlungen durch einen Pool von Staats- oder Hypothekenkrediten gedeckt, auf die ein Insolvenzverwalter im Zweifelsfall keinen Zugriff hat. Investoren verlassen sich aber nicht allein auf das Pfandbrief-Prinzip, sondern achten auf die Kreditqualität der emittierenden Bank. Das zeigt sich daran, dass die Risikoprämien (Spreads), die Investoren für Jumbos von Hypo Real Estate und Depfa verlangen, zwischen 0,2 und 0,3 Prozentpunkten über den Interbankensätzen liegen. Das ist ein ordentlicher Aufschlag im Vergleich zu Jumbos anderer deutscher Banken. Bei britischen Jumbos sind die Spreads allerdings bis zu zehnmal höher als bei Hypo Real Estate und Depfa.

"Wo die Risikoprämien tatsächlich liegen, lässt sich indes verlässlich nicht sagen, da es keine Käufer gibt", sagt Jörg Birkmeyer, Leiter des Researchs für Bankenanleihen und Covered Bonds bei der DZ Bank. Dabei sei der gesamte Markt "enorm illiquide".

Analysten gehen aber davon aus, dass die Risikoaufschläge für Jumbos von Hypo Real Estate und Depfa weiter klettern werden. Der Hypo Real Estate hafte jetzt der Makel eines Beinahe-Ausfalls an, das werde auch die Pfandbriefe noch länger belasten, heißt es in einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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