Hypothekenmarkt
Keine Angst vor der Krise

Die Krise um amerikanische Immobilienfinanzierer hat die Gefahr von Ausfällen bei Anlegern in den Vordergrund gerückt und die Aktienmärkte unter Druck gebracht. Trotzdem halten sich die meisten mit Hypotheken besicherten Anleihen recht gut. In Europa ist die Lage sogar noch entspannter.

FRANKFURT. Die steigenden Ausfälle von Hausbaukrediten in den USA haben die besten Tranchen der mit Hypotheken besicherten und verbrieften Anleihen bislang nicht belastet. Die Renditeaufschläge dieser Papiere mit sehr guten Ratings haben sich in Europa stabil bei acht bis zwölf Basispunkten (0,08 bis 0,12 Prozentpunkten) über den Interbankensätzen gehalten.

In den USA sieht das Bild ähnlich aus. Das überrascht, denn die Krise um amerikanische Immobilienfinanzierer hat die Gefahr von Ausfällen bei Anlegern in den Vordergrund gerückt und die Aktienmärkte unter Druck gebracht.

In den USA sind über 40 Immobilienfinanzierer, die sich auf die Kreditvergabe an Kunden mit geringer Bonität spezialisiert haben, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Auch große Banken wie Wells Fargo oder HSBC Finance sind in dem Geschäft aktiv. Die steigenden Zinsen bei gleichzeitigem Rückgang der Immobilienwerte bringen gerade die bonitätsschwachen Häuslebauer in die Bredouille und damit auch die auf sie spezialisierten Financiers.

In den USA gibt es nach Berechnungen von Lehman Brothers Baudarlehen für schwache, so genannte Subprime-Kunden über 1,2 Bill. US-Dollar. Diese Kredite haben einen Anteil von 14 Prozent am gesamten Hypothekenmarkt von 8,5 Bill. Dollar. Im vierten Quartal 2006 wurden nach Angaben der amerikanischen Vereinigung der Hypothekenbanken 13,2 Prozent aller Subprime-Darlehen nicht bedient, im Quartal davor lag die Ausfallrate bei knapp 12,6 Prozent.

Der Großteil der Kredite wird weiterverkauft, verbrieft und meist von großen Banken als mit Forderungen besicherte Anleihen an den Markt gebracht; im Fachjargon heißen die Papiere Residential Mortgage Backed Securities (RMBS). Die Kreditnehmer – also die Häuslebauer – müssen die Zinsen aber mindestens einmal zahlen, ansonsten können die strukturierenden Banken die Papiere an die Hypothekenfinanzierer zurückgeben. Das verschärft deren Krise.

Bei RMBS oder ähnlichen Papieren werden alle Kredite in einem Pool gebündelt. Die strukturierenden Banken und Ratingagenturen berechnen dabei, welcher Anteil eines Portfolios theoretisch maximal ausfallen könnte. Danach werden die Anleihen in verschiedene Tranchen mit unterschiedlichen Ratings aufgeteilt. Von Ausfällen sind die Tranchen mit den schlechtesten Bonitätsnoten betroffen, die den kleinsten Teil der Emissionen ausmachen. Sie werden zum Teil von den strukturierenden Banken, aber auch von Hedge-Fonds gehalten, die für ihr erhöhtes Risiko hohe Renditen bekommen.

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