Immer mehr Neuemissionen
Unternehmen stürmen den Anleihemarkt

Der Markt für neue Unternehmensanleihen hat einen Rekord erreicht: In diesem Jahr haben Firmen abseits der Finanzbranche bereits Anleihen im Wert von knapp 201 Mrd. Euro begeben. Abnehmer gibt es genug, und für die Unternehmen ist es ein günstiges Mittel, um an frisches Fremdkapital zu kommen und sich zu refinanzieren.

FRANKFURT. Unternehmen mit guter Bonität können sich immer günstiger über neue Anleihen refinanzieren und nutzen dies, um sich massenhaft frisches Fremdkapital zu sichern. "Anfang des Jahres mussten Firmen abseits der Finanzbranche im Schnitt noch jährliche Zinsen von 6,25 Prozent zahlen, inzwischen sind es nur noch um die fünf Prozent", sagt Sven Kreitmair, Ko-Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei Unicredit. "Die allgemein gestiegene Risikofreude der Investoren kommt auch den Unternehmen bei neuen Anleiheplatzierungen zugute, die für neue Bonds immer weniger zahlen müssen", meint auch Joachim Heppe, der das Bond-Syndikat bei der Commerzbank in Frankfurt leitet.

Als weiterer positiver Trend für Unternehmen in der Refinanzierung gilt zudem, dass auch immer mehr Firmen aus zyklischeren Branchen wie der Luftfahrt und der Baubranche Abnehmer für neue Bonds finden. So kamen neue Bonds der Lufthansa und des Baustoffkonzerns Lafarge bei Investoren gut an. Zuletzt platzierten darüber hinaus sogar wieder Firmen mit schwacher Bonität sogenannte Junk-Bonds. Dazu gehörten der Autokonzern Fiat, der Telekombetreiber Wind und der Spirituosenhersteller Pernod-Ricard.

Der Großteil der Emissionen konzentriert sich aber auf die Bonds von kreditwürdigen Unternehmen mit Ratings im Investment-Grade. Sie begaben nach Berechnungen von Société Générale seit Januar schon neue Anleihen über Emissionen und Aufstockungen im Wert von 201 Mrd. Euro. Damit wurde der Rekord von gut 200 Mrd. Euro aus dem Gesamtjahr 2001 gebrochen. Den Aussschlag dafür kam mit der eine Mrd. Euro schweren Anleihe des Rüstungskonzerns EADS.

Zugang zu neuen Anleihen haben dabei vor allem große Konzerne, die schon vor der Finanzkrise regelmäßig Anleihen begeben und sich somit einen Investorenkreis aufgebaut haben. Zu den größten Bond-Emittenten in diesem Jahr gehören aus Deutschland Unternehmen wie die Versorger RWE und Eon, Autokonzerne wie Daimler, Volkswagen und BMW und der Chemiekonzern BASF.

Investoren greifen bei neuen Bonds aus mehreren Gründen beherzt zu. So werden die neuen Anleihen mit Renditeaufschlägen zu ausstehenden Papieren begeben. "Das lockt institutionelle Investoren an, weil sie so Extra-Rendite im Vergleich zu Benchmark-Indizes erwirtschaften, die sie schlagen müssen", sagt Kreitmair. Außerdem schichteten viele Investoren Geld aus Aktien- und Geldmarktfonds in Unternehmensanleihen um, erklärt Maik Laske, der bei der Société Générale in Frankfurt das Kapitalmarktgeschäft leitet.

"Für Unternehmen steht die Sicherung von Liquidität ganz oben auf der Agenda, deshalb versuchen die Konzerne, vor dem Hintergrund eines unsicheren Marktausblicks sich so viel Geld wie möglich zu sichern", sagt Laske. Dies gelte umso mehr, da Banken im Zuge der Finanzkrise die Anforderungen an Kreditnehmer verschärften.

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