In Europa schwindet die Phantasie rückläufiger Leitzinsen– Markt für Anleihe-Emissionen belebt sich deutlich
Renditen hangeln sich langsam nach oben

Zur Wochenmitte sind die Kurse europäischer Staatsanleihen weiter leicht gefallen. Der September-Kontrakt des Bund-Futures, der synthetische Euro-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren abbildet, verlor an der Eurex 35 Basispunkte auf 122,07. Die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen 10-jähriger Euro-Staatsanleihen wurden am Abend auf einem Niveau von 3,29 (nach 3,25) Prozent ermittelt.

HB FRANKFURT/M. Händler begründeten die steigenden Renditen auch mit der von einigen Akteuren als unbefriedigend bezeichneten Marktresonanz auf die vortägige Auktion zwei-jähriger Bundesschatzanweisungen. Der September-Schatz-Future, der zweijährige synthetische Euro-Staatsanleihen abbildet – wurde bei 106,530 um 3,5 Ticks niedriger ermittelt. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen lag bei 2,23 Prozent; dies war der höchste Stand seit Ende Mai. Händler erklärten, die Phantasie auf Leitzinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) sei durch Aussagen von Otmar Issing wieder geschwunden. Der EZB-Chefvolkswirt hatte erklärt, die Aussichten für die Preisentwicklung in Europa hätten sich seit Juni deutlich eingetrübt. Das Statistische Bundesamt meldete für Juni eine Jahresteuerung von 1,8 (nach 1,6) Prozent. Am Rentenmarkt wird argumentiert, dass sich höhere Inflationsraten über kurz oder lang in steigenden Anleiherenditen auswirken dürften.

Am US-Markt bestimmten neue Konjunkturdaten den Handel. Der Verbraucherpreisindex (CPI) hat sich im Juni nicht verändert, nachdem er im Mai noch um 0,1 Prozent gefallen war. Analysten hatten mit einem CPI-Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet. Bei den US-Einzelhandelsumsätzen kam es im Juni zu einem stärker als (mit 1,0 Prozent) erwarteten Anstieg um 1,7 Prozent. Die durchschnittlichen preis- und saisonbereinigten Wochenlöhne der US-Arbeitnehmer sind im Juni um 0,2 Prozent gestiegen, nachdem es im Mai keine Veränderung des Realeinkommens gegeben hatte. Und last but not least stieg die Zahl der US-Bürger, die bei den Behörden einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe stellten, um rund 16 000 auf 336 000 – das ist der höchste Stand seit Ende Mai. Ökonomen in der Wall Street hatten mit einer Zahl von 325 000 Anträgen gerechnet. Vor diesem Hintergrund wurde die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Abend bei 4,18 (nach 4,17) Prozent ermittelt.

Am Primärmarkt – dem Markt für neue Anleihe-Emissionen – hat sich das Geschäft am Mittwoch weiter deutlich belebt. Konsortialbanken wiesen darauf hin, dass das nur geringe Interesse des Marktes an einer vom britischen Schatzkanzler emittierten 50-jährigen Sterling-Staatsanleihe kaum Einfluss auf den Markt für neue Unternehmensanleihen hatte. Neu an den Markt kamen von deutscher Seite die KfW mit dem angekündigten Bond über 1 Mrd. Dollar und einer weitere Emission über 100 Mill. Rand. Zudem wurde der Markt durch die LBBW (250 Mill. Dollar, vier Jahre) und die SEB Hypothekenbank (200 Mill. Euro, vier Jahre) beansprucht.

Als Emissionskandidaten brachten sich die ukrainische Chemiefirma Stirol und Dänemarks Danske Bank ins Spiel. Beide Unternehmen wollen über die Ausgabe von Bonds jeweils 100 Mill. Euro an Fremdkapital aufnehmen. Italienische Medien berichteten, der Autokonzern Fiat plane die Emission einer Anleihe im Volumen zwischen 500 Mill. und 1 Mrd. Euro. Dies wäre das erste Mal seit vier Jahren, dass der Autokonzern die internationalen Anleihenmärkte beanspruchen würde.

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