In Europa und den USA dürfte der Rendite-Unterschied weiter zunehmen
Dollar-Verfall stärkt Euro-Anleihen

Europas Märkte bewegen sich im Gleichlauf mit der Wall Street. Dieses ungeschriebene Gesetz ist derzeit an den Anleihemärkten außer Kraft gesetzt – und wird es nach Meinung von Rentenexperten noch einige Zeit bleiben. Während in Europa die Anleihekurse immer weiter zulegen und die Renditen in Richtung Rekordtief fallen, ist die Entwicklung in den USA umgekehrt. Der Dollarverfall treibt immer mehr Investoren in die Anleihemärkte der Euro-Zone.

DÜSSELDORF. Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren bieten in Euro-Land derzeit jährlich 3,7 Prozent Rendite, in den USA hingegen 4,2 Prozent. Der Unterschied (Spread) von 50 Punkten am Freitag oder gar 60 Punkten am Tag zuvor ist so hoch wie zuletzt vor vier Jahren. Damals begann die Börsenblase gerade zu platzen.

Einig sind sich Volkswirte und Rentenexperten darin, dass die Anleihemärkte sehr gut die derzeitigen Währungsturbulenzen und die vollkommen unterschiedlichen Konjunkturentwicklungen dies- und jenseits des Atlantiks widerspiegeln und deshalb das seltene Phänomen an den Finanzmärkten auslösen. Vom trügerischen Gleichlauf an den Aktienmärkten sollten sich Anleger nicht täuschen lassen.

Seit der Wiederwahl von George W. Bush zum US-Präsidenten entwickeln sich die Anleiherenditen in Europa und den USA weit auseinander. Weil Investoren davon ausgehen, dass mit Bush der Staat noch mehr Schulden anhäufen wird und die Regierung an einem schwachen Dollar interessiert ist, um so die heimische Wirtschaft anzukurbeln, ziehen sich Anleger aus Dollar-Anlagen zurück. Darunter leiden Anleihen, deren Kurse fallen. Die Erwartung, dass die US-Zinsen steigen, weil die Konjunktur brummt und teure Importe (auf Grund des starken Euros) das Inflationsrisiko erhöhen, gibt den Anleiherenditen zusätzlichen Schwung.

Notenbankchef Alan Greenspan goss weiteres Öl ins Renditefeuer, indem er davor warnte, dass Ausländer in Zukunft weniger Appetit auf US-Anlagen bekommen könnten, und gleichzeitig klarstellte, dass sich die Märkte auf höhere Zinsen einstellen müssen. Prompt verkauften Anleger weitere Anleihen: Die Kurse fielen, die Renditen zogen weiter an. Tatsächlich erwarten die Finanzmärkte, dass der US-Leitzins von derzeit zwei Prozent bis Ende Ende 2005 auf 3,25 Prozent steigt.

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