In Spanien
Aufschub für Defizitsenkung schlecht für Bondanleger

Spanien bekommt mehr Zeit zum Abbau seines Haushaltsdefizits. Eine gute Nachricht für das Land – aber eine schlechte für Bondanleger. Experten mahnen bereits Selbstzufriedenheit an.
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Ein längerer Zeitrahmen für Spanien beim Abbau des Haushaltsdefizits ist eine schlechte Nachricht für die Anleihegläubiger des Landes.

„Die Regierung sollte Investitionen und Neueinstellungen fördern, um wieder ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen”, sagt Georg Grodzki, Leiter Kreditanalyse bei Legal & General Investment Management in London. Es bestehe die Gefahr, dass offiziell die Härten gemildert, aber im Endeffekt der aufgeblähte Beamtenapparat und die strenge Arbeitsmarktregulierung sowie die Rentenregelungen beibehalten werden.

Die Rendite zehnjähriger spanischer Anleihen lag am Montag bei 4,52 Prozent und bewegte sich damit erstmals seit dem 22. April über dem Wert von 4,5 Prozent. Am 29. Mai hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, die Sparbemühungen abzumildern. Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zu Konsumausgaben, Einzelhandelsumsatz und Hypotheken in Spanien deuten darauf hin, dass die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy Schwierigkeiten hat, die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone aus der Konjunkturflaute zu bringen, in die sie durch das Ende des Immobilienbooms 2008 geraten ist.

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, Spanien zwei weitere Jahre bis 2016 zur Reduzierung des Defizits auf das Eurozonen- Limit von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu gewähren. Im vergangenen Jahr lag der Fehlbetrag im spanischen Haushalt bei 10,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und damit höher als in Griechenland oder Irland. Gleichzeitig erhielt Spanien 41 Mrd. Euro an Hilfen für die Rettung des Bankensektors, der unter notleidenden Krediten aus dem Immobilienbereich leidet.

Im Juni entscheiden die Spitzenpolitiker der Europäischen Union, ob sie die Vorschläge der Kommission unterstützen. Die spanische Staatsverschuldung droht im kommenden Jahr über 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu steigen. Niedrigere Steuern hat Rajoy bereits ausgeschlossen, er will die „schwierigen” und „schmerzvollen” Kürzungen der Staatsausgaben nicht verschärfen, die seine Partei seit 2011 durchgesetzt hat.

„Die Hauptbefürchtung bei Spanien, ebenso wie bei Italien, ist Selbstzufriedenheit”, sagt Alberto Gallo, Leiter Makro- Kreditanalyse Europa bei Royal Bank of Scotland Group Plc in London, “beide Regierungen haben schnell die Steuern erhöht und legen jetzt einen langsameren Gang bei den Reformen ein, was die Lage hinsichtlich Wachstum und Staatsverschuldung in den kommenden Jahren verschlimmern würde.”

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