Index der US-Einkaufsmanager lässt Renditen leicht steigen
Robuste US-Konjunkturdaten belasten Anleihen

Der Renditeanstieg an den Anleihemärkten hat sich fortgesetzt. Auslöser für die leicht anziehenden Kapitalmarktzinsen, die mit fallenden Kursen einhergehen, war der besser als erwartete Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM). Diesem Index schenkt der Markt stets große Beachtung.

HB FRANKFURT/M. Mit einem Stand von 59,1 Punkten im Oktober lag er fast so hoch wie im Vormonat, in dem er bereits kräftig gestiegen war. Dies signalisiert eine anhaltend gute US-Konjunktur. Dieses Argument nutzte auch die US-Notenbank am Abend als Erklärung für die erneute Anhebung der Dollar-Leitzinsen von 3,75 auf 4,00 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wurde zum Handelsschluss mit 4,57 (nach 4,56) Prozent ermittelt. In der Euro-Zone erhöhte sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihe moderat auf 3,41 Prozent. Der Bund-Future – Terminkontrakt auf lang laufende Bundesanleihen – verlor 0,07 Prozentpunkte auf 120,35 Prozent.

Nach Angaben des ISM-Instituts lässt der bisherige Zusammenhang zwischen dem Index und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angesichts eines durchschnittlichen Indexstand von 55,4 in den Monaten Januar bis Oktober auf ein Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts von 4,6 Prozent schließen. Auch die Beschäftigungskomponente dieses Index’ stieg weiter. Etwas gebremst wurde der Renditeanstieg durch den ebenfalls gestiegenen Subindex der gezahlten Preise, der die Inflationsgefahren erneut in den Vordergrund rückte.

Die Umsätze waren vor und nach der Leitzinsentscheidung der US-Notenbank vergleichsweise gering. Der am Morgen veröffentlichte Einkaufsmanagerindex der Euro-Zone, der wie erwartet auf 52,7 Punkte und damit den höchsten Stand seit 13 Monaten stieg, hatte die Anleihen dagegen nicht belastet. Im Gegenteil, der Bund-Future stieg nach den Daten in der Spitze bis auf 120,68 Prozent. „Die Renditen sind in jüngster Zeit so stark gestiegen, dass viele Investoren schon wieder Einstiegsniveaus sehen“, sagte Jason Simpson, Zinsstratege bei ABN Amro der Nachrichtenagentur Reuters. Der europäische Einkaufsmanagerindex habe die Kauflust nicht gebremst, weil er punktgenau die Erwartungen traf.

Außerdem stützte Händlern zufolge die politische Unsicherheit in Deutschland die festverzinslichen Wertpapiere. Union und SPD setzten zwar auch nach dem angekündigten Rücktritt Franz Münteferings vom SPD-Vorsitz und dem Verzicht Edmund Stoibers (CSU) auf den Posten als Wirtschaftsminister die Koalitionsverhandlungen fort. Doch ob es angesichts des Debakels zu großen Reformen komme, sei fraglich, sagte ein Händler.

Am Markt für neue Anleihen richtet sich die Aufmerksamkeit auf Telefónica. Der spanische Telefonkonzern hatte am Vortag angekündigt, den britischen Mobilfunkanbieter O2 für umgerechnet 26 Mrd. Euro in bar übernehmen zu wollen. Der Markt wartet jetzt darauf, dass Telefónica neue Anleihen begibt, um einen Teil der Übernahme zu finanzieren. BNP Paribas rechnet mit neuen Telefónica-Bonds über sieben bis acht Mrd. Euro in verschiedenen Laufzeiten und Währungen. Zunächst bekommt Telefónica einen syndizierten fünfjährigen Kredit über die Rekordsumme von umgerechnet 27,2 Mrd. Euro von Citigroup, Goldman Sachs und Royal Bank of Scotland. Telefónica-Finanzchef Fernandez Valbuena hatte am Montag in einer Analystenkonferenz erklärt, einen Teil dieses Kredits durch Anleihen abzulösen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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