Anleihen
Inflationsfurcht setzt Bondmärkte unter Druck

Die Überraschend niedrige Kernrate der US-Verbraucherpreise sorgt laut Rentenexperten nur kurzfristig für Entspannung.

FRANKFURT/M. Die Sorge über ein Anziehen der Inflationsrate halten die Rentenmärkte weiterhin in Atem. Zwar gab es am Freitag gewisse Erleichterung nach der Veröffentlichung einer überraschend niedrigen Kernrate der US-Verbraucherpreise für September, was die Kurse der Staatsanleihen kurzfristig zulegen ließ. Die meisten Rentenstrategen erwarten jedoch in dieser Woche, dass der Anstieg der Gesamt-Verbraucherpreise in den USA und Euroland sowie Befürchtungen weiterer US-Leitzinserhöhungen die Bondkurse erneut sinken lassen dürfte.

„Auch wenn die US-Kern(inflations)raten noch relativ gemäßigt ausfallen, wird der starke Auftrieb der Gesamtraten die Warnungen der Fed unterstreichen und für Druck auf die Kurse der Anleihen sorgen“, meinen die Rentenstrategen der DZ Bank. Die US-Verbraucherpreise insgesamt legten im September gegenüber dem Vormonat um 1,2 Prozent zu – das ist der höchste Anstieg seit 25 Jahren. Dagegen nahm die Kernrate – ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel – nur um 0,1 Prozent zu.

Auch bei der Commerzbank rechnen die Bondexperten damit, dass die Korrekturphase bei europäischen Anleihen wegen der sich abzeichnenden konjunkturellen Belebung in Euroland und zunehmender Angst um Inflation anhalten könne. Über die Inflation sorgte sich am Freitag auch der Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing. Er befürchtet, dass die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2006 nicht unter zwei Prozent liegen wird. „Es gibt Anzeichen, dass die moderate Lohnentwicklung ihr Ende haben könnte“, sagte er. Bisher seien die Anzeichen allerdings anekdotisch, in den konkreten Zahlen spiegelten sich Zweitrunden-Effekte noch nicht wider.

Deutlich optimistischer über den moderaten Anstieg der US-Kernrate äußerste sich hingegen Kornelius Purps, Rentenanalyst bei der Hypo-Vereinsbank. „Die Zahlen müssten die Inflationsangst deutlich bremsen“, sagte Purps gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Es hat sich in den letzten Wochen etwas aufgebauscht.“

Hinweise für die weitere Entwicklung der Anleihemärkte dürften die anstehenden Konjunkturdaten und -indikatoren geben. So erwarten die DZ-Bank-Strategen, dass die Verbraucherpreise für Euroland im September mit 2,6 Prozent (Dienstag) deutlich über der Zielmarke der EZB liegen. Auch Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen, die laut DZ Bank wegen erster Anzeichen für eine Investitionsbelebung in Deutschland positiver ausfallen sollte. In den USA stehen Dienstag die Erzeugerpreise für September an, die wegen der hohen Energiepreise angezogen haben dürften. Am Mittwoch erwarten Strategen, dass das Beige Book der US-Notenbank erneut den Preisniveauanstieg thematisiert. All dies dürfte die Rentenmärkte tendenziell belasten. Für Freitag wird zudem der Konjunkturindex der Philadelphia Fed veröffentlicht.

Am Freitag haben die Anleihemärkte in Europa und den USA mit minimalen Verlusten geschlossen, nachdem die niedrige Kernrate bei den US-Verbraucherpreisen und am Nachmittag für sehr gute Stimmung gesorgt hatten. Am Abend rutschten die Kurse allerdings wieder ab, weil die Daten nach Aussage von Händlern die Sorgen um Inflation und weitere Zinserhöhungen in den USA nicht auf Dauer vertreiben können. In Europa schloss das Stimmungsbarometer für Anleihen um 0,22 Prozentpunkte niedriger bei 121,13 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg leicht auf 3,31 Prozent. In den USA legte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe legte leicht zu auf 4,49 Prozent.

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