Anleihen
Inflationsschutz ist ein Thema am Bondmarkt

In den angelsächsischen Ländern werden seid geraumer Zeit Staats- und Unternehmensanleihen begeben, bei denen eine positive Realverzinsung - also ein Inflationsschutz - garantiert wird. Vor dem Hintergrund der aktuell niedrigen Renditen und der niedrigen Inflationsrate ist das Interesse gewachsen, ein Teil der Vermögensanlagen gegen einen Inflationsanstieg zu sichern.

HB DÜSSELDORF. Inflationsgeschützte Anleihen werden mit einem recht niedrigen Kupon begeben. Dieser stellt bei einem Kurs von 100 die Realverzinsung des Bonds dar. Der Rückzahlungswert der Anleihe wird dann mit der Inflationsrate hochgeschrieben. Da der Kupon als Prozentsatz des Rückzahlungswertes gezahlt wird, steigen die Kuponzahlungen im Zeitablauf ebenfalls moderat an. Für die Kursentwicklung dieser Anleihen sind - neben den historischen Inflationsraten und dem Zinsumfeld - vor allem die Inflationserwartungen ausschlaggebend.

Im Eurobereich war bislang lediglich Frankreich sehr aktiv in der Emission. Im vergangenen Jahr sind Griechenland und Italien nachgezogen. Man konnte auch lesen, dass es bei der Finanzagentur des Bundes Überlegungen gab, die jedoch wenig konkret geworden sind. Mittlerweile sind mehr als 82 Mrd. Euro an inflationsgeschützten europäischen Staatsanleihen emittiert worden. Von Seiten der Pensionsfonds ist die Nachfrage bereits seit einiger Zeit recht hoch. Doch auch andere institutionelle Investoren und Privatanleger zeigen Interesse.

Insbesondere Großbritannien weist eine lange Tradition in der Emission solcher Titel auf. Andere Länder haben in den letzten Jahren stark in diesem Segment emittiert, so Schweden oder die USA. Die Eurozone hinkt hinterher, nur Frankreich zeigte dort bislang Flagge.

Traditionell waren überwiegend die angelsächsischen Pensionsfonds starke Nachfrager für einen Inflationsschutz. Insbesondere zum Ende der Sparphase hin zum Auszahlplan wird das Risiko für das angesparte Kapital gesenkt. Die Inflation soll das lange angesparte Kapital nicht wieder aufzehren. Vor dem Hintergrund des Umbruchs in der Rentenvorsorge erscheint die Nachfrage nach inflationsgeschützten Anleihen noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Zunehmend entdecken Versicherungen dieses Segment als liquide Alternative zu Immobilien mit Inflationsschutz. Auch Fondsgesellschaften treten verstärkt als Nachfrager nach diesen Anleihen auf. Nachfragefördernd wirkt sich zudem die geringe Volatilität und die nur begrenzte Korrelation zu anderen Anlageformen aus, so dass dieser Anleihetyp als gute Diversifikationsmöglichkeit eingesetzt werden können. Aber auch Privatanleger entdecken dieses Instrument als Altersvorsorge.

Da die Mechanismen dieser Anleihen etwas komplizierter als bei normalen Staatsanleihen sind, gibt es eine Reihe von Ansatzpunkten für ein erfolgreiches aktives Fondsmanagement eines Portfolios bestehend aus diesen Titeln. Dazu zählen altbekannte Strategien wie die Laufzeitenstrukturierung der Anleihen und das gezielte Auswählen der Duration. Jedoch muss zusätzlich immer berücksichtigt werden, welche Inflationserwartungen schon im Kurs der Anleihen enthalten sind. Wichtig ist dabei die Renditedifferenz zwischen den Inflationsgeschützten Anleihen und normalen Anleihen mit entsprechenden Laufzeiten. Diese so ermittelte Zinsdifferenz stellt die Markterwartung für die Entwicklung der Inflationsrate dar. Aufgrund von Inflationseinschätzungen der Analysten kann dann das Fondsmanagement bestimmte Anleihen über- oder untergewichten.

Jörg Bartenstein ist Leiter europäische Anleihen bei Invesco.

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