Internationale Rentenmärkte
Staaten saugen Investorengeld auf

Der enorme Finanzbedarf der Staaten macht Bankern, Politikern und Großanlegern Sorgen. Dabei steht die Angst im Fokus, dass die Staaten im Kampf um Investoren an den Anleihemärkten Unternehmen an den Rand drängen. Selbst Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sprach im Bundestag von einer potenziellen Gefahr und Verdrängungseffekten für die Firmen an den Kapitalmärkten.

FRANKFURT. Das Institute of International Finance (IIF) - die Lobbyorganisation internationaler Großbanken - betonte bereits Anfang Januar, dass die Unternehmen an den Anleihemärkten in einem "scharfen Wettbewerb" mit den Staaten liegen. Die Staaten in Europa sowie die USA werden nach Schätzungen des IIF in diesem Jahr neue Anleihen im Rekordvolumen von drei Billionen Dollar aufnehmen, um neben dem normalen Refinanzierungsbedarf die Rettungspakete für Banken und die Konjunktur zu stemmen. Damit ist der Kapitalbedarf der Staaten rund ein Drittel größer als 2008. Dazu kommen als neue Anlageklasse die mit staatlichen Garantien versehenen Anleihen von Banken. Hier erwartet das IIF eine Größenordnung von einer Billion Dollar.

Diese Bankenbonds mit Bürgschaft gelten als genauso sicher wie die Anleihen der jeweiligen Staaten, bieten aber höhere Renditen. So wurden die staatsgarantierten Anleihen deutscher Banken mit Renditeaufschlägen von um die 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zu Bundesanleihen platziert. Dagegen steht der Kapitalbedarf von Industrieunternehmen und Banken in Europa und vor allem den USA, der auf insgesamt 1,8 Billionen Dollar geschätzt wird.

Eine Art Verdrängungswettbewerb gebe es schon bei Emittenten, die als sehr sicher gelten und somit in direktem Wettbewerb zu den Staatsanleihen stünden, meint Guido Greim, der bei der Deutschen Bank institutionelle Anleiheinvestoren betreut. Dazu zählt Greim Pfandbriefe sowie Anleihen von staatlichen Förderbanken und Bonds der Bundesländer.

"Die Aufnahmefähigkeit der Investoren für sichere Anleihen ist begrenzt, und gerade staatsgarantierte Bankenanleihen machen den Pfandbriefen Konkurrenz", bestätigt Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken. Pfandbriefe sind mit Staatskrediten oder Hypotheken gedeckte Anleihen. So haben sich deutsche Banken seit fünf Monaten nicht mehr mit einem großen Jumbo-Pfandbrief an den Markt gewagt. Die Staatsgarantien für Bankenanleihen seien zwar als Medizin nötig, um den Banken eine Refinanzierung zu ermöglichen, meint Hagen: "Mit Blick auf den Pfandbrief hat diese Medizin aber schädliche Nebenwirkungen." Deshalb ist der VDP auch dagegen, die Staatsgarantie für Bankenbonds auf fünf Jahre zu verlängern.

Wettbewerb durch ihre eigenen Träger sehen auch die staatlichen Förderbanken. Die Refinanzierung an den Kapitalmärkten werde "ungleich schwieriger" als im vergangenen Jahr, gibt Ulrich Schröder, Chef der KfW Bankengruppe, zu. Die Zeiten, in denen die Förderbank bei der Kapitalaufnahme dank des guten Namens verwöhnt worden sei, seien vorbei. So muss auch die KfW höhere Risikoprämien zahlen. Bei der jüngsten zweijährigen großen KfW-Anleihe lag die Rendite 0,92 Prozentpunkte über jener von zweijährigen Bundesanleihen. Absolut gesehen sanken die Renditen für alle sicheren Anleihen indes in den letzten zwölf Monaten.

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