Interview
„Noch einen Schock kann niemand gebrauchen“

Den USA geht das Geld aus. In wenigen Tagen droht die Zahlungsunfähigkeit. Im Interview erklärt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank, wie die Ratingagenturen reagieren und was dann an den Märkten los wäre.
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Wie wahrscheinlich ist, dass die USA ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können?

Die politische Lage ist so verfahren, dass eine rasche Einigung über das Wochenende unwahrscheinlich erscheint. Nicht mal innerhalb der Parteien ist man sich über ein Konzept einig.

Das Geld reicht noch bis kommenden Dienstag. Was passiert an diesem Tag?

Es muss nicht unmittelbar an diesem Tag zur Zahlungsunfähigkeit kommen. Die Steuereinnahmen waren wohl zuletzt etwas besser als erwartet. Deshalb könnte das Geld noch ein paar Tage länger reichen. Das löst natürlich das Problem nicht, gibt aber ein paar Tage mehr Zeit für Verhandlungen.

Wenn den USA das Geld ausgeht - wie muss man sich das vorstellen?

Der Finanzminister wird zunächst versuchen, die Staatsanleihen zu bedienen, damit die Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten nicht final beschädigt wird. Was auf jeden Fall auch noch bezahlt wird, sind die Rentenschecks, die am 3. August fällig werden. Wenn die Wähler ihre Schecks nicht pünktlich bekämen, wäre das politischer Selbstmord. Bei allen anderen Ausgaben wird man sehen, was noch bezahlt werden kann. Eigentlich müssten 40 Prozent der Ausgaben gestrichen werden. Über einen längeren Zeitraum ist das natürlich nicht möglich, ohne dass die Wirtschaft gegen die Wand fährt.

Wie reagieren die Ratingagenturen auf einen Zahlungsausfall?

Die Ratingagenturen haben sich noch nicht klar geäußert. Am klarsten hat sich S&P positioniert, die gesagt haben, dass sie eine 50-Prozent-Wahrscheinlichkeit für eine Herabstufung sehen. Aber selbst wenn die ersten Rechnungen liegen bleiben, ist noch nicht gesagt, dass es zu einem Downgrade kommen muss. Erst wenn Kapital- oder Geldmarktpapiere nicht mehr bedient werden, muss das zwangsläufig geschehen.

Ist eine Herabstufung früher oder später nicht ohnehin unvermeidlich?

Die Defizite sind derart hoch, die Schulden so rapide gestiegen – es ist klar, dass die US-Staatsfinanzen konsolidiert werden müssen, wenn die USA ihr Rating behalten wollen.

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Fed wird großzügig Liquidität bereitstellen

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  • Wenn eine Währung für den Anleger zu wenig Ertrag bringt, ist es auf Dauer sehr schlecht und führt zu einer hohen Inflationsrate. In 10 Jahren wird der Euro nur noch die Hälfte oder noch weniger wert sein. Der Staat saniert sich ohne Schuldentilgung und die Bürger verlieren.
    A. Heiter

  • @ azaziel,
    na dann fangen Sie doch direkt mit Ihrem ersten Satz an und überzeugen die Politiker und deren Begünstigte, dass sie nur noch Pensionen in Relation zur ihren tatsächlich geleísteten Beitragszahlungen erhalten werden.
    Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze, wie bei Pflichtversicherten und Selbständigen grundsätzliche Realität, bedingt sofort die tatsächöiche Eigenverantwortung zur Vorsorge deren Höhe.

  • Zitat: Gutduenker.als.Robin.Hoods

    "- soll das Leistungsprinzip und der Kapitalismus, auch mit seinen Härten weiter existieren."

    Dazu mal eine Anmerkung. Dieses Prinzip ist doch sowieso zum scheitern verurteilt, denn man kann nicht die Mittel von unten nach oben beliebig weitergeben.

    Stellen Sie sich einen Sandberg vor, von dem sie 2 Schippen Sand auf eine andere Stelle schaufeln, aber nur eine Schippe wieder zurück...was wird passieren? Richtig - der Sandberg wird irgendwann verschwinden. Genau das passiert mit dem Kapital - die von denen der Staat nunmal lebt, die haben immer weniger davon. Also wo solls denn herkommen das Geld? Dadurch entstehen Schulden, die niemals zurückbezahlt werden können. Das hat also nix mit Sozialausgaben zu tun, denn diese resultieren aus der Umverteilung des Kapital nur von unten nach oben. Aus diesem Grund wird es nie zu einem Schuldenabbau kommen - da kann man sich sicher sein, denn die Verschuldung des Staates ist die ja im eigentlichen Sinne eifach nur Verschuldung der unteren(tragenden) Bevölkerungsschichten. Aber der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht ;-)

    Und wenn sie schon von "Leistungsgesellschaft" reden - mit welchem Recht verdient z.B. ein Bergarbeiter oder ein Produktionsarbeiter weniger als ein Banker? Ist körperliche Arbeit weniger wert als geistige? Hat eine Kassiererin im Supermarkt weniger Rechte als ein Vertriebsmitarbeiter? Leistet sie weniger? Soviel zu Ihrem "Leistungsprinzip" was völlig unsinnig suggeriert, das bestimmte Berufe weniger wert sind als andere - sie sind nur anders aber alle werden gleichermaßen benötigt, sonst würde es sie nicht geben.

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