Interview
„Rückschläge für Käufe nutzen“

Fünf Fragen zu den Risiken der Subprime-Krise an Andreas Utermann, Leiter Globales Geschäft, Allianz Global Investors.

Handelsblatt: Gibt es Institutionen mit Schieflagen bei Risikoinvestments?

Andreas Utermann: Eine wichtige Frage auf der Anleiheseite ist: Sind die Risiken wirklich breit gestreut? Potenziell problematische Anlagen stecken weltweit vor allem in den Depots von Hedge-Fonds, bei Investmentbanken, bei einigen risikofreudigen Stiftungen und Pensionsfonds. Entscheidend ist, dass die Risiken bei jenen sind, die meinten, sie auch tragen zu können.

Haben Sie Ihre Antwort so vorsichtig formuliert, weil sich gerade auch deutsche Banken in die Nesseln gesetzt haben?

Ja, es gibt einfach viele Unwägbarkeiten. Bei den Kreditrisiken fehlt es an Transparenz. Wo und bei wem Verluste angefallen sind, wird man erst in den nächsten sechs bis acht Wochen besser sehen.

Wie haben Ihre Investoren auf die Marktturbulenzen reagiert?

Es herrscht Unsicherheit, aber es gibt keinen Aktionismus. In der vergangenen Woche haben wir unsere Investoren informiert, dass wir mit anhaltenden Volatilitäten und weiteren Rückschlägen an den Aktienmärkten rechnen. Wirtschaftlich erwarte ich die größten Belastungen für die USA – aber keine Rezession. Das Wachstum wird im kommenden Jahr unter zwei Prozent bleiben. Auch bei den Gewinnzuwächsen der Unternehmen erwarte ich nur eine kleine Delle.

Also sind Sie optimistisch?

Wenn es keine große Pleite bei einem Kreditinstitut in den USA oder Deutschland gibt, sollten sich die Börsen bis zum Jahresende wieder beruhigen. In diesem Fall erleben wir momentan nur eine gesunde Korrektur. Die Bilanzen der Unternehmen sind weltweit stark, Aktien nicht zu teuer.

Sie sind weltweit verantwortlich für rund 220 Mrd. Euro an Aktienanlagen Ihrer Kunden. Was empfehlen Sie hier?

Offensive Anleger sollten Rückschläge für Käufe nutzen, risikoscheue Investoren sich in den kommenden Monaten absichern. Wir raten weiterhin zu einer Untergewichtung von Finanzwerten und zu hohen Beständen an marktbreiten Wachstumstiteln. In ruhigeren Marktphasen kann man auch wieder in Emerging Markets zukaufen.

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