Interview
„Wer Rendite will, muss ins Risiko gehen“

Die Inflation knabbert am Vermögen der Deutschen. An Hochzins-Anlagen führt kein Weg mehr vorbei. Mehr Rendite heißt in der Regel aber auch mehr Risiko. Doch das ist überschaubar, meint Vermögensverwalter Tobias Spies.
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Herr  Spies, Unternehmensanleihen sind in diesem Jahr hervorragend gelaufen. Lohnt der Einstig noch?
Das ist die Gretchenfrage und leider habe ich keine Kristallkugel. Ich würde Ihre Frage aber trotzdem mit „Ja“ beantworten.

Aber bei vielen Papieren ist nichts mehr zu holen, die Renditen sind mickrig.
Unternehmensanleihen haben sich, ganz gleich ob guter oder schlechter Bonität, dieses Jahr sehr gut entwickelt. Bei Papieren mit guter bis sehr guter Bonität bleibt nach Abzug von Kosten und Inflation höchstens eine schwarze Null. Dort sehen wir übrigens mittlerweile eine gewisse Blasenbildung.

Also Gefahr im Vollzug?
Gesund ist es sicher nicht, wenn Großunternehmen fünf- oder achtjährige Milliarden-Bonds zu Minizinsen begeben können.

Das müssen Sie erklären.
Wenn Sie nur noch ein oder zwei Prozent Zinsen zahlen müssen, dann können Sie in Projekte investieren, die sich mit höheren Zinsen niemals rentiert hätten. Bei Minizinsen rentiert sich vieles, was sich mit fünf oder sechs Prozent Zinsen unternehmerisch nicht rechnen würde. Nur sind diese nach fünf Jahren natürlich nicht abgezahlt. Muss ein Projekt refinanziert werden, weil eine Anleihe ausläuft, kann das natürlich viel teurer werden und den Emittenten in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Die extrem niedrigen Zinsen könnten zu einer langfristigen Fehlallokation des Kapitals führen.

Also Finger weg von solchen Anleihen?
Wer mit den niedrigen Kupons zufrieden ist, kann hier ruhig investieren. Dem Anleger kann es im Grunde egal sein, was passiert, nachdem seine Anleihe in fünf oder mehr Jahren fällig wurde. Er bekommt sein Geld und kann sich nach neuen Investments umsehen. Das Risiko der teuren Refinanzierung trägt das Unternehmen.

Kommentare zu " Interview: „Wer Rendite will, muss ins Risiko gehen“"

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  • Wer Rendite will, muss die umlagefinanzierte Rente erhöhen und Kapital und Unternehmen wieder verstärkt zur Finanzierung heranziehen. Dann löst sich auch das demografische "Problem" in Luft auf, das in Wirklichkeit ein ungelöster Verteilungskonflikt der Gesellschaft ist.
    Was Kapitaldeckung anrichtet, kann man bei diversen amerikanischen Pensionsfonds sehen. Ganz zu schweigen von den in Grund und Boden spekulierten Ländern und Branchen.

  • bei den Anleihen gibt es eine gewaltige Blase im Moment...

    aus meiner Sicht ist im Moment Gold die Beste Möglichkeit um Cash zu sichern (auch wenn es mal +/- 15% schwankt, ist doch egal)

    Das Geld bleibt aber bei jeder Art von Entwicklung erhalten.

    Eine Steigerung von 5-10% pro Jahr ist langfristig (Zeitraum > 2 Jahre) schon wegen der immer höher werdenden Produktionskosten garantiert, was will man mehr?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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