Inverse Renditestruktur
Verkehrte Welt in den USA

Die Finanzmärkte beschäftigen sich zum Jahresende verstärkt mit den amerikanischen Rentenmärkten. Gestern ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erneut kurz unter die zweijähriger US-Bonds gerutscht.

Zweijährige so genannte Treasuries rentierten im frühen New Yorker Geschäft mit 4,36 Prozent, Zehnjährige nur mit 4,35 Prozent. Bereits am Dienstag hatte es kurzzeitig zum ersten Mal seit fünf Jahren das Phänomen der so genannten inversen Zinskurve gegeben, bei der es für langlaufende Bonds weniger Verzinsung als für Kurzläufer gibt.

In der Vergangenheit war eine umgedrehte Kurve stets Zeichen für eine bevorstehende Rezession. Üblicherweise verlangen Investoren eine höhere Rendite für langlaufende als für kurzlaufende Bonds. Bei Staatsanleihen mit Spitzenbonität ist das Ausfallrisiko zwar gleich null, aber bei einer längeren Laufzeit steigt das Risiko von zwischenzeitlichen Kursverlusten zum Beispiel durch Inflationsgefahren. Zu einer Umkehr der US-Zinskurve kam es bislang nur, wenn Investoren davon ausgingen, dass sich die Wirtschaft extrem schlecht entwickelt und die amerikanische Notenbank die Leitzinsen senken werde.

Häuser wie Bank of America, Barclays Capital, Dresdner Kleinwort Wasserstein, Lehman Brothers und Merrill Lynch rechnen schon länger mit einer erneuten inversen Zinskurve in den USA. Sie sehen das jetzt aber nicht mehr als Zeichen für eine Rezession. Auch der scheidende US-Notenbankchef Alan Greenspan betonte schon im November, dass eine flache Zinskurve „kein narrensicheres Zeichen für eine zukünftige Schwäche der Wirtschaft“ sei. Die meisten Volkswirte erwarten, dass Greenspans Nachfolger Ben Bernanke die Leitzinsen weiter anheben wird.

Jack Malvey, Chefstratege für Anleihen bei Lehman Brothers, sieht für das nächste Jahr in den USA ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent, nach 3,6 Prozent in laufenden Jahr. Malvey erwartet zwar niedrigere Verbraucherausgaben in den USA, diese könnten aber durch höhere Kapitalinvestitionen ausgeglichen werden.

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