Investmentbanker hoffen auf Fortsetzung des Booms in Europa
Junkbonds werden auch in Deutschland salonfähig

Das alte Motto „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ hat ausgedient. Hochzinsanleihen, im Fachjargon etwas despektierlich „Junkbonds“ genannt, sind inzwischen auch in Europa gefragt. Lange haben Investoren die Ramschanleihen, die hohe Renditen bei allerdings auch hohen Ausfallrisiken bieten, nur mit spitzen Fingern angefasst. Doch im ersten Halbjahr 2003 erlebte der europäische Junkbond-Markt einen bemerkenswerten Aufschwung, vor allem auch in Deutschland. Investmentbanker hoffen, dass sich der Boom fortsetzt. Analysten warnen allerdings bereits wieder vor erheblichen Risiken für den High-Yield-Markt

FRANKFURT/M. Bei den Junkbonds handelt es sich um Anleihen von Unternehmen, deren Bonität von den Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor's und Fitch mit „Ba1“ beziehungsweise „BB+“ und schlechter eingestuft wird. Das höhere Ausfallrisiko, das sich in dieser Benotung spiegelt, wird dem Anleger durch einen Renditeaufschlag gegenüber sicheren Staatsanleihen abgegolten. Für die Emittenten liegt der Reiz darin, dass sie sich frisches Geld verschaffen können, ohne den harten Kriterien eines Bankkredits genügen zu müssen. Junkbonds erfordern zudem niedrigere Zinszahlungen als Mezzanine-Finanzierungen, einer Zwischenform zwischen Fremd- und Eigenkapital.

2003 brachten europäische Unternehmen bereits Junkbonds im Wert von mehr als 7 Mrd. Euro an den Markt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2002 waren es lediglich 4 Mrd. Euro. David Fass, Global Co-Head für Fremdkapitalprodukte der Deutschen Bank, erwartet dass das Emissionsvolumen bis Ende des Jahres auf rund 10 Mrd. Euro steigt. „Der europäische Markt wächst rasant, allerdings ist die Basis für das Wachstum auch deutlich kleiner als in den USA“.

In Europa hat sich der Markt für Hochzinsanleihen erst in den Jahren des Börsenbooms 1999 und Anfang 2000 entwickelt. Mit Beginn der großen Baisse, war es dann aber mit den Junkbonds auch schnell wieder vorbei. „Was wir jetzt sehen, ist sehr ermutigend“, meint Fass. „Der europäische High-Yield-Markt wird erwachsen.“ Der Rückstand zu den USA ist allerdings nach wie vor gewaltig. In Amerika kamen die ersten Emittenten bereits vor 20 Jahren an den Markt, in diesem Jahr lag das Emissionsvolumen bislang bei mehr als 80 Mrd. Dollar. Doch aus dem Mutterland der Junkbonds kommen bereits wieder warnende Stimmen, die mit einem empfindlichen Rückschlag rechnen. Die scharfe Korrektur der Staatsanleihen – seit Mitte Juni stiegen die Renditen in den USA um mehr als 1,3 Prozentpunkte – hat auch die Unternehmensbonds in Mitleidenschaft gezogen. Sollte es in diesem Marktsegment kräftig abwärts gehen, würden insbesondere die High-Yield-Papiere unter die Räder kommen, warnen die Analysten WGZ-Bank. Die Investoren scheinen diese Gefahr durchaus ernst zu nehmen. In der ersten Augustwoche haben sie 2,6 Mrd. Dollar aus amerikanischen High-Yield- Fonds abgezogen.

Deutsch-Banker Fass will an ein Ende des Booms allerdings nicht glauben. Das Interesse der Investoren an höheren Renditen sei nach wie vor lebhaft. Und für viele mittelgroße Unternehmen gebe es angesichts der rigideren Kreditvergabe der Banken, wenig sinnvolle Alternativen zu Hochzinsanleihen. „Europa bleibt ein spannender High-Yield- Markt und das spannendste Land in Europa ist Deutschland“, sagt Fass. Nach seiner Einschätzung könnten sich bis Ende des Jahres noch bis zu sechs deutsche Firmen mit Hochzinsanleihen an den Markt wagen.

Bislang standen viele heimische Firmen den Junkbonds eher skeptisch gegenüber. Das ändere sich aber schnell, meint Fass. Vor allem die Anleihe von Heidelberg Cement sei ein Durchbruch gewesen. Der bislang größte europäische Junkbond hatte ein Volumen von 700 Mill. Euro, dem stand eine Nachfrage von 2 Mrd. Euro gegenüber. Verzinst wird die Anleihe mit 7,375 %. Das ist ungefähr das Niveau, das der Autoriese General Motors für eine vergleichbare Tranche der Rekordanleihe über 13,5 Mrd. Dollar bieten musste, und das obwohl der US-Konzern von den Ratingagenturen besser bewertet wird als Heidelzement. „Das hat viele andere deutsche Vorstände ziemlich neugierig gemacht“, meint Fass.

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