Investmentidee
Attraktive Risikoprämie

Die aktuelle Finanzmarktkrise hat die Anleihen von Schwellenländern nicht so deutlich erwischt wie frühere Turbulenzen.

FRANKFURT. Dennoch stiegen die Risikoprämien – die Renditeabstände von auf US-Dollar lautenden Schwellenländer-Bonds im Vergleich zu US-Staatsanleihen – auf bis zu 2,5 Prozentpunkte. Mitte Juni brachten die Papiere im Schnitt nur 1,5 Prozent mehr Rendite als US-Staatsanleihen und damit historisch wenig.

„Die höheren Aufschläge machen die Emerging Market Bonds jetzt wieder attraktiver“, meint Michael Mewes, Leiter des Anleihe-Teams bei JP Morgan Asset Management in Frankfurt. Auch die Strategen von Dekabank, DZ Bank und WGZ Bank sehen wieder Einstiegschancen bei Schwellenländer-Anleihen. Die höheren Risikoprämien seien vor allem eine Folge der steigenden Risikoscheu der Anleger und der Liquiditätsklemme, heißt es in einer Studie der DZ Bank.

Die attraktivsten Fonds auf Emerging-Markets-Anleihen

Besonders unter Druck kamen Anleihen aus Ländern wie Argentinien oder Venezuela, wo Präsident Hugo Chávez seinen Sozialismus des 21. Jahrhunderts durchsetzen will. Einen nachhaltigen Ausverkauf – also noch deutlich weiter steigende Aufschläge auf breiter Front – fürchten Fachleute aber nicht. Die Märkte hätten zwar auf die Entwicklung am US-Subprime-Hypothekenmarkt für schwache Schuldner reagiert, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Die fundamentale Situation ist jedoch nach wie vor gut, und Schwellenländer bleiben die strukturellen Gewinner der aktuellen Globalisierungswelle.“

Dies zeigt sich auch daran, dass die Risikoprämien (Spreads) schon wieder etwas gesunken sind. „Die Ausweitung um rund 100 Basispunkte beziehungsweise um etwa einen Prozentpunkt während der aktuellen Krise war zudem im historischen Vergleich moderat“, sagt Mewes. Während der Mexiko-Krise 1994 und der Russland-Krise 1998 schnellten die Spreads der Emerging Market Bonds um bis zu zehn auf über 15 Prozentpunkte nach oben. Seither ist der Markt aber wesentlich stabiler geworden. Schon der Zahlungsausfall Argentiniens vor sechs Jahren belastete andere Schwellenländer-Bonds nicht mehr so stark.

Inzwischen weisen viele Emerging Markets Handelsbilanz-Überschüsse auf, die Exporte und die Wirtschaft wachsen kräftig und die Verschuldung sinkt. Das spiegelt sich auch in den Ratings wider. Zwei Drittel der Länder im Index EMBI+ von JP Morgan haben heute ein Rating im Bereich Investment-Grade, sind also solide Schuldner. Dazu zählen die meisten osteuropäischen Staaten, Mexiko, Südafrika und China. Ende 1994 – als der Index aufgelegt wurde – hatten nur gut vier Prozent der Länder ein Investment-Grade-Rating. Die Dekabank betrachtet auch Kolumbien, Brasilien und Peru als Kandidaten für eine Heraufstufung.

Noch höhere Renditen als auf Dollar oder Euro lautende Anleihen der Schwellenländer bieten Bonds in Lokalwährungen. Grund sind die oft im Vergleich zu Europa und den USA höheren Leitzinsen. So rentieren auf Real lautende brasilianische Staatsanleihen mit im Schnitt 9,7 Prozent, und türkische Lira-Anleihen bringen 16,4 Prozent Rendite. Den höheren Renditen stehen indes Wechselkursschwankungen gegenüber, die das Renditeplus leicht aufzehren können. Deshalb ist der Kauf dieser Papiere riskant. Dennoch: Mit umgerechnet knapp 380 Mrd. Dollar ist der Markt für Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen bereits größer als der 300 Mrd. Dollar große Markt für auf US-Dollar lautende Emerging Market Bonds. Deshalb wird er für vor allem für professionelle Anleger immer attraktiver.

Viele institutionelle Investoren setzen neben den Staatsbonds in Lokalwährungen auch auf Unternehmensanleihen der Emerging Markets, die noch deutlich über den Staatsbonds rentieren. „Die Anleihen von Unternehmen aus Schwellenländern bieten die größten Chancen, um an der positiven Entwicklung der Emerging Markets zu profitieren“, sagt Michael Discher-Remmlinger, Fondsmanager für Schwellenländer-Anleihen bei Deka Investment. Dabei setzt er auf Branchen wie Rohstoffe oder Telekommunikation.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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