Anleihen
Investoren drohen mit Verkauf von Pfandbriefen

Der Handel mit Jumbo-Pfandbriefen und ähnlichen Covered-Bonds aus anderen Ländern könnte für die Banken zu einem echten Problem werden. Nach einer Umfrage unter 100 Investoren wollen fast 20 Prozent ihre Bestände komplett abbauen, wenn sich die Lage nicht verbessert.

FRANKFURT. Der Handel mit Jumbo-Pfandbriefen und ähnlichen Covered-Bonds aus anderen Ländern könnten für die Banken zu einem echten Problem werden. Nach einer Umfrage der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) unter knapp 100 Investoren schätzen die Profi-Anleger die Liquidität am Markt derzeit als nur durchwachsen ein. Für zwei Drittel der vorwiegend aus Deutschland befragten institutionellen Anleger ist die gute Handelbarkeit jedoch ein entscheidendes Investitionskriterium. Unter ihnen wollen über die Hälfte ihre Bestände in Jumbos reduzieren und 18 Prozent sogar komplett abbauen, wenn sich die Lage nicht verbessert.

Jumbo-Covered-Bonds sind mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckte Anleihen mit einem Volumen von mindestens einer Mrd. Euro. Covered Bonds sind für Banken in der aktuellen Finanzmarktkrise noch wichtiger als vorher geworden, weil sie sich über die gedeckten Anleihen weitaus günstiger refinanzieren können als über ungedeckte Bonds. In der Krise sind jedoch auch die Risikoprämien von Jumbos deutlich gestiegen, wobei Jumbo-Pfandbriefe aus Deutschland weit weniger betroffen sind als ihre Pendants aus anderen Ländern.

Dennoch hakt auch der Handel mit deutschen Jumbos. Auch Pfandbrief-Emittenten geben zu, dass die Kurse im Handel nicht die tatsächliche Marktlage widerspiegeln. Entsprechend müssen neue Jumbos mit deutlichen Risikoaufschlägen (Spreads) im Vergleich zu ausstehenden Papieren begeben werden. Die Lage hat sich nach Einschätzung der LBBW auch dadurch nicht verbessert, dass sich die Konsortialbanken bei deutschen Jumbos untereinander seit Anfang September wieder Kurse in engen Handelsspannen stellen. Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) hatte die Banken zur Wiederaufnahme des sogenannten Market Making gedrängt, das die Banken im Frühjahr stillschweigend eingestellt hatten.

"Die Banken halten sich zwar an die festgelegten Handelspannen, stellen aber trotzdem niedrige Abwehrkurse, weil sie keine Jumbos in ihre eigenen Bestände nehmen wollen", erklärt Florian Eichert, Covered-Bond-Analyst bei der LBBW. Dies habe in einer Art Negativspirale dazu geführt, dass die Risikoprämien für deutsche Jumbos ohne echte Umsätze um im Schnitt 0,10 Prozentpunkte gestiegen seien. In anderen als dem deutschen Markt würde die Wiederaufnahme des Market Making laut Eichert zu noch deutlich größeren Spread-Ausweitungen führen.

Problematisch ist dies, da laut der Umfrage der LBBW anhaltend stark schwankende Risikoprämien für einige Investoren neben der Liquiditätslage ein weiterer Grund sein könnten, sich vom Markt zu verabschieden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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