Investoren schichten um
Bonds von Freddie Mac und Fannie Mae unter Druck

Gerüchte um Anleihenverkäufe durch die Europäische Zentralbank halten an – Renditen von Staatsanleihen sinken.

FRANKFURT/M. Die Europäische Zentralbank (EZB) will angeblich alle ihre Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae verkaufen. Das Gerücht ist nicht tot zu kriegen und hat gestern erneut zu deutlichen Reaktionen am Anleihemarkt geführt (S. 25). Während sich die Renditeaufschläge der Bonds der beiden größten US-Hypothekenfinanzierer zu top-gerateten Staatspapieren vergleichbarer Laufzeiten ausweiteten, engten sich die Spreads von Anleihen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein. Investoren schichten laut Händlern von den US-Papieren in Bonds der KfW um

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Die EZB hat nach Meldungen von Zeitungen und Agenturen intern angekündigt, alle ihre Bonds von Freddie Mac und Fannie Mae zu verkaufen. Zudem soll die EZB den zwölf Zentralbanken der Euro-Zone empfohlen haben, sich ebenfalls von ihren Anteilen zu trennen. „Das Gerücht ist seit mehreren Tagen am Markt“, sagt Rentenexperte Jörg Homey von der DZ Bank, der Spreadausweitungen bei Freddie-Mac-Anleihen bestätigt. Offiziell hat die EZB zu den Meldungen noch nicht Stellung bezogen. Ein Sprecher der Bundesbank sagte gegenüber dem Handelsblatt, das Anlageverhalten der Bundesbank gegenüber Anleihen der US-Hypothekenfinanzierer sei „unverändert“. Die Medien berufen sich auf Informationen aus EZB-Kreisen.

Hintergrund für die vermeintlichen Aktionen der EZB ist den Kreisen zu Folge der Wirbel um die Bilanzen von Freddie Mac. Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht ermitteln in den USA, weil der Hypothekenfinanzierer eingestanden hatte, in den vergangenen drei Jahren seine Gewinne falsch ausgewiesen zu haben. Drei Führungsmitglieder mussten Freddie Mac deswegen bereits verlassen. Fannie Mae und Freddie Mac stehen für gut 40 % des US-Hypothekenkreditmarktes mit einem Volumen von 7 Bill. $.

Konkreter Grund für Verkauf und Verkaufsempfehlung der EZB ist den Quellen zu Folge das möglicherweise erhöhte Kreditrisiko der Anleihen. Zwar benoten die Ratingagenturen die Bonität von Freddie Mac, Fannie Mae und KfW nach wie vor jeweils mit ihren Bestnoten. Doch im Gegensatz zu KfW-Bonds, für die die Bundesrepublik Deutschland garantiert, fehlen im Fall der US-Hypothekenfinanzierer – offizielle – Garantien der US-Regierung. Darin liegt auch der Grund, warum KfW-Bonds bei Investoren seit dem Beginn der Unruhen rund um Freddie Mac im Januar gefragter sind (Grafik). Anfang der Woche beschleunigten sich die Umschichtung noch einmal spürbar. Die KfW ist nach Deutschland, Frankreich und Italien der größte Bondemittent Europas mit ausstehenden Anleihen über rund 200 Mrd. Euro.

Bei den Staatsanleihen sanken die Renditen deutlich. Zehnjährige Bundesanleihen warfen am frühen Abend 4,07 % ab nach 4,12 am Montag. Zehnjährige US-Treasuries rentierten mit 4,26 % nach 4,31 %. Der für Euroland Richtung weisende Terminkontrakt auf Bundesanleihen, Bund-Future, gewann 46 Basispunkte auf 115,2 %. Hintergrund waren schwächer als erwartete Daten zum US-Verbrauchervertrauen.

Daimler-Chrysler bestätigte gestern, in nächster Zukunft über seine US-Tochter Daimler-Chrysler North America eine variabel verzinste Anleihe begeben zu wollen. Die Laufzeit soll demnach zwei Jahre betragen. Die Nachrichtenagentur vwd meldete unter Berufung auf Kreise, das Anleihevolumen werde bei mindestens 500 Mill. Euro liegen, die Rendite rund 65 Basispunkte über dem Euribor. Größere Neuemissionen gab es keine.

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