Irische Staatsfinanzen
Irlands Hypothek

Die Sanierung des Bankensystems wird zu einer Bewährungsprobe für Irlands Regierung: Wegen des wachsenden Finanzbedarfs stuft die Ratingagentur Standard & Poor´s die Kreditwürdigkeit des Landes herab. Damit wird es für Irland schwieriger, sich an den internationalen Kapitalmärkten Geld zu leihen. Die Kritik an der Regierung wächst.

LONDON/FRANKFURT. Der wachsende Finanzbedarf für die Rettung der großen irischen Banken veranlasste gestern die Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P), die Länder-Bonität Irlands ein weiteres Mal auf "AA" herabzustufen. Damit wird es für das einstige Musterland der Eurozone schwerer, sich an den internationalen Kapitalmärkten Geld zu leihen. Analysten rechnen mit weiteren Wertberichtigungen in zweistelliger Milliardenhöhe bei den führenden Banken. Die Kritik an der Krisenbewältigung der Regierung wächst.

Die fiskalischen Kosten für die Unterstützung der Banken würden deutlich höher als noch im März geschätzt, begründete S&P-Analyst David Beers die zweite Herabstufung in drei Monaten. Den Ausblick ließ er auf "negativ". S&P hob die Kostenschätzung für die Rekapitalisierung der Banken von 15 bis 20 auf stolze 20 bis 25 Mrd. Euro an. Das wird laut Beers dazu beitragen, dass die Staatsverschuldung mittelfristig 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) übersteigt.

"Die Herabstufung ist berechtigt, kommt aber spät", sagte Johannes Rudolph, Zinsstratege bei HSBC Trinkaus. S&P hätte die Bonitätsnote Irlands auch schon Ende März um zwei Stufen senken können, sagte er. Anleiheinvestoren verlangen für irische Staatsanleihen schon lange die höchsten Renditen im Euro-Raum, und das obwohl Länder wie Griechenland, Italien oder Portugal deutlich schlechtere Ratings haben. Die Rating-Agentur Moody?s führt Irland noch mit dem Best-Rating "AAA". Konkurrent Fitch hat das Land um eine Stufe auf "AA+" gesenkt.

Zehnjährige irische Anleihen rentierten gestern mit 5,68 Prozent und damit sogar etwas niedriger als am Vortag. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen lag bei gut 1,8 Prozentpunkten. Im Zuge der steigenden Risikofreude der Investoren sind die Risikoaufschläge der Irland-Bonds zuletzt aber gesunken. Mitte März rentierten irische Anleihen noch fast 2,9 Prozentpunkte höher als deutsche Staatsbonds.

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