Irland
Marode Banken brauchen frische Milliarden

Irland mutiert vom Musterschüler zum Sorgenkind: Im September werden Anleihen der schwer angeschlagenen Kreditinstitute fällig im Wert von 25 Milliarden Euro fällig. Die notwendige Refinanzierung schürt die Angst vor einer neuen Schuldenkrise im Euro-Raum.
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LONDON. Noch vor wenigen Wochen galt Irland mit seinem eisernen Sparwillen als Musterschüler unter den hochverschuldeten Staaten der Euro-Zone. Doch inzwischen hat sich die Insel zum Sorgenkind entwickelt. Schuld daran sind die maroden irischen Banken, und die müssen in diesem Monat einen schwierigen Vertrauenstest an den Märkten überstehen.

Im September werden 25 Milliarden Euro an Anleihen der schwer angeschlagenen Kreditinstitute fällig, und die Investoren gehen davon aus, dass bis zu 15 Milliarden Euro davon noch in diesem Jahr refinanziert werden müssen. Experten befürchten, dass die Rückzahlungswelle die Stimmung in der gesamten Euro-Zone belasten wird. "An den Märkten wächst die Angst, dass die irischen Banken sehr hohe Preise für ihre Refinanzierung bezahlen müssen", warnen die Analysten von Barclays, und das wachsende Misstrauen gegenüber Irland und seinen Banken könne zum Wiederaufflammen der europäischen Schuldenkrise führen.

Die Probleme Irlands haben sich zugespitzt, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) in der vergangenen Woche die Bonitätsnote des Landes auf AA- herabgestuft hat, den schwächsten Stand seit 1995. Die Agentur begründete die Korrektur mit den aus dem Ruder laufenden Kosten für die Sanierung des maroden Bankensektors. Den S&P-Schätzungen zufolge wird Irland die angeschlagenen Geldhäuser mit 90 Mrd. Euro statt wie bisher erwartet mit 80 Milliarden Euro stützen müssen. Am Markt für Kreditderivate kletterten die Prämien für eine Versicherung gegen den Ausfall irischer Staatsanleihen und Bankenbonds nach der Herabstufung auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2009.

"Das Timing von S&P war ausgesprochen unglücklich", meint Alan McQuaid vom Dubliner Broker Bloxham. Sollten die irischen Banken Probleme bei der Refinanzierung bekommen, werde das Misstrauen gegenüber dem gesamten Land wachsen und würden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen weiter steigen. Höhere Prämien für Staatsbonds würden aber wiederum die Finanzierungskosten für die Banken in die Höhe treiben, den Geldhäusern drohe im schlimmsten Fall eine fatale Abwärtsspirale.

Irland wurde besonders hart von der weltweiten Finanzkrise getroffen. Nach dem Platzen einer gigantischen Immobilienblase schrumpfte die Wirtschaft in drei Jahren um zwölf Prozent. Im August schnellte die Arbeitslosigkeit auf 14 Prozent, und der Einzelhandelsumsatz sackte erneut ab. Die neuen Daten schüren die Angst, dass die Insel die erhoffte schwarze Null beim Wirtschaftswachstum auch in diesem Jahr verpassen wird.

Um den Finanzsektor zu stabilisieren, musste Irland eine nationale Bad Bank gründen, an die die Institute insgesamt 80 Milliarden Euro an riskanten Krediten auslagern wollen. Auch bei der Refinanzierung profitieren die Institute von einer Staatsgarantie, die aber mittlerweile nur noch Laufzeiten bis zu fünf Jahren abdeckt und Ende des Jahres endgültig ausläuft. Trotz dieser Garantie ist es den irischen Banken aber seit Monaten nicht gelungen, neue Anleihen am Kapitalmarkt unterzubringen. Als Erstes wird sich nun nach Informationen aus Finanzkreisen die Bank of Ireland mit einer Emission in der Größenordnung von rund einer Milliarde Euro aus der Deckung wagen. Im September werden 7,5 Milliarden Euro Anleihen des Geldhauses fällig.

Die Bank of Ireland steht von den drei großen irischen Instituten noch am besten da. Zwar brach der Gewinn vor Steuern im ersten Halbjahr um 60 Prozent ein, mit 116 Millionen Euro schrieb das Institut aber immerhin schwarze Zahlen. Dagegen verbuchte das größte Sorgenkind, die inzwischen verstaatlichte Anglo Irish Bank, in den ersten sechs Monaten einen Nettoverlust von 8,2 Milliarden Euro, ein neuer Negativrekord in der irischen Wirtschaftsgeschichte.

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