Irland
Ratingagenturen stufen irische Banken auf Ramsch-Status herab

Für Irland kommt es Schlag auf Schlag: Inmitten der Verhandlungen um Hilfen der EU und des IWF haben die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's die Anleihen mehrerer Bankhäuser auf Ramschniveau herabgestuft.
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HB DUBLIN. Die angeschlagenen irischen Banken geraten immer weiter unter Druck. Zwei internationale Ratingagenturen stuften die Anleihen mehrerer irischer Bankhäuser am Freitag auf Ramschniveau herab.

Die Ratingagentur Standard & Poor's wertete die Anglo Irish Bank auf die Junk-Bond-Stufe ab. Das gleiche Schicksal ereilte die Bank of Ireland und die Allied Irish Bank, die auf die Noten BBB+ beziehungsweise BBB herabgestuft wurden.

Die in New York ansässige Agentur erklärte, vor allem die von der Anglo Irish Bank herausgegebenen Anleihen seien in Gefahr, im Zuge der irischen Beteiligung am Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) abgewertet zu werden. Sie prognostizierte, die irische Regierung „könnte gezwungen sein, ihre unterstützende Haltung gegenüber den nicht garantierten Schulden Anglos zu überdenken“. Schon jetzt mussten Inhaber von Anglo-Anleihen erhebliche Abschläge bis zu 95 Prozent hinnehmen.

Wenig später folgte auch die in London ansässige Ratingagentur Fitch dem Schritt von Standard & Poor's. Auch sie stufte einige Papiere niedrigster Bonität der Bank of Ireland und der Allied Irish Bank auf verschiedene Grade von Ramschanleihen herab.

Unterdessen verdichten sich im Ringen um die Sanierung Irlands angeschlagener Banken die Anzeichen für eine Beteiligung der Investoren. Für Nervosität an den Märkten sorgte am Freitag die Aussicht darauf, dass auch vorrangige Gläubiger der drei angeschlagenen Großbanken zur Kasse gebeten werden könnten. Auslöser war ein Bericht der „Irish Times“, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Union (EU) hätten über Möglichkeiten zur Umlage der Rettungskosten diskutiert. Demnach könne vorrangigen Gläubigern ein Bond-Tausch angeboten werden, bei dem sie einen Verlust verbuchen müssten.

Irland erklärte, es stehe zu seinen Verpflichtungen gegenüber vorrangigen Anleiheeignern. Nachrangigen Geldgebern der verstaatlichten Anglo Irish Bank hatte die Regierung in Dublin dagegen Abschreibungen auf den Wert ihrer Anleihen aufgezwungen.

Der „Irish Times“ zufolge wird auch darüber diskutiert, die Schulden irischer Banken in Aktien umzuwandeln. Zudem könnten die Investoren zu Kapitalspritzen aufgefordert werden oder andernfalls Abschreibungen auf den Wert ihrer Investitionen hinnehmen müssen. Deshalb sei ein „haircut“ eine der schmerzloseren Alternativen. Die Beteiligung aller Investoren könnte aber das Vertrauen auch in die Banken Portugals und Spaniens schwächen.

Die irische Regierung verhandelt derzeit mit der EU und dem IWF über ein milliardenschweres Rettungspaket, das auch den Banken zugute kommen soll. Von den voraussichtlich 85 Mrd. Euro an Hilfen seien 35 Mrd. Euro zur Rettung des Finanzsektors und 50 Mrd. Euro für die Sanierung des Haushalts vorgesehen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Um den Haushalt zu sanieren und die Chancen auf eine mögliche Finanzspritze zu erhöhen, hat die Regierung ein Sparprogramm aufgelegt, das binnen vier Jahren 15 Milliarden Euro einbringen soll. Bis 2014 will die Inselrepublik ihr Staatsdefizit unter die erlaubte Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung bringen.

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  • PENG !
    die FiMOSTAPO hat zugeschlagen! Ach nee, Moodys ist ja gar nicht dabei. Wahrscheinlich ist das board noch besoffen. Thanksgiving.

  • Ratingagenturen sollte man die Lizenz entziehen, niemand der in der Schufa negativ steht ist Ramsch und überhaupt kann man nicht ein ganzes Land als Ramsch bezeichnen. Ratingagenturen kann man nicht trauen, sie gehen mit ihren Daten so um wie sie bezahlt werden. Es sind die Geldverleiher früherer Tage.
    Europa sollte sich von Manipulierten Ratingagenturen
    nicht verunsichern lassen, es ist nur Teil von Angriffen auf die EU. irland gibt es länger als diese Ratingagenturen, deren Mitarbeiter mit Gelverschmierten Haaren meinen, Gott zu spielen.

  • Was uns fehlt ist ein verbaler busenblitzer von Merkel; ein Palin-scher Versprecher (ja, die amerikanische "Politikerin", die Nord- und Südkorea unlängst nicht auseinander halten kann), der die Finanzwelt durcheinanderwirbelt. Wir wollen es hören! Wir wollen das Entsezen der Anleger sehen, wenn Merkel "aus Versehen" den Euro meinend von der D-Mark spricht. Schockwellen an den Finanzmärkten und eine eigendynamische Diskussion über das Ende des Euro-Elends. Das wäre es dann - und es wäre gut so...

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