Islamische Bank
Russland will Scharia-Kapital anlocken

Die russische Wirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Frisches Geld soll nun aus der muslimischen Welt kommen. Dazu gründet Moskau seine erste islamische, mit der Scharia konforme Bank.
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Russland will dieses Jahr seine erste islamische Bank eröffnen. Das Land, das wegen der internationalen Sanktionen auf eine Rezession zusteuert, will schariakonformes Kapital anlocken.

Die Staatsduma werde innerhalb der kommenden zwei Monate die Rechtslage sondieren mit dem Ziel, islamischen Vorschriften entsprechende Bankgeschäfte zu ermöglichen, sagte Anatoli Aksakow, Duma-Abgeordneter und Präsident des russischen Regionalbankenverbands. In der zweiten Jahreshälfte solle ein Rechtsrahmen dafür geschaffen werden.

„Durch die Gesetzesänderungen wollen wir vor allem Kapital aus islamischen Ländern anwerben, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Malaysia, aus Indonesien“, sagte Aksakow am Donnerstag in einem Telefoninterview. Russland wolle „zig Milliarden Dollar“ anlocken. Damit sollten staatlich geförderte Projekte wie Bahnstrecken finanziert werden.

Russland ist nicht das erste Land mit muslimischer Minderheit, das ins islamische Finanzwesen einsteigt. Großbritannien, Luxemburg und Südafrika haben im vergangenen Jahr islamische Anleihen, sogenannte Sukuk, aufgelegt. Die Länder beteiligen sich damit an einem Markt, der nach Schätzung von PricewaterhouseCoopers im Jahr 2017 ein Volumen von 2,6 Billionen Dollar erreichen wird. Nach Daten der US-Regierung sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung Russlands Muslime.

Gesetzesänderungen allein werden keinen Zustrom von Kapital aus den Nahen Osten auslösen, sagte Apostolos Bantis, Kreditanalyst bei der Commerzbank in Dubai. „Das ist nur der erste Schritt, und es wird Zeit brauchen“, erklärte Bantis in einem Telefoninterview am Sonntag. „Russland verstärkt zwar auf politischer Ebene seine Kontakte in die Region. Aber auch die politischen Systeme in den Emiraten und anderen Golfländern müssen Anreize für Investitionen schaffen.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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