Italien-Anleihen auf Rekordhoch
Teures Dolce Vita

Seit es die europäische Gemeinschaftswährung gibt, hat sich Italien noch nie so teuer refinanziert wie jetzt. Auch Spanien hat ein Problem. Ministerpräsident Zapatero verschiebt wegen der Unruhe an den Märkten seinen Urlaub.
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BrüsselDie Renditen der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen klettern von Rekordhoch zu Rekordhoch: Am Mittwoch stieg der Zinsaufschlag für die Papiere im Vormittagshandel am Rentenmarkt um 0,19 Prozentpunkte auf 6,21 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Einführung des Euros. Schon am Vortag war ein Rekordhoch erzielt worden. Der Mailänder Leitindex MIB reagierte mit einem Abschlag von mehr als zwei Prozent. Ministerpräsident Silvio Berlusconi nimmt am Abend in der Abgeordnetenkammer und im Senat Stellung zur Finanzkrise.

Auch in Spanien hielten die Marktturbulenzen an: Für zehnjährige Staatspapiere stieg die Rendite auf 6,34 Prozent. Am Dienstag war ein Rekordhoch seit Euro-Einführung von 6,45 Prozent erreicht worden. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero verschob angesichts der anhaltenden Nervosität an den Märkten seinen geplanten Urlaubsbeginn um einen Tag.

„Der Aufwärtstrend bei spanischen und italienischen Anleiherenditen ist Ausdruck der nicht nachlassenden Staatsschuldenkrise“, sagte Jane Foley, Analystin bei Rabobank International.

Spanien hat Schwierigkeiten, sich von der fast zwei Jahre andauernden Rezession zu erholen, die nach dem Platzen der Blase am Immobilienmarkt einsetzte. Die Haushaltskassen sind leer, die Arbeitslosenquote ist mit fast 21 Prozent die höchste in den Ländern der Eurozone. Italien ist mit 120 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und der italienische Finanzminister Giulio Tremonti haben am Mittwoch in Luxemburg über die Probleme in der Eurozone gesprochen. „Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging, und wir werden weiterhin gemeinsam darüber nachdenken“, sagte Juncker. Das Gespräch sei sehr fruchtbar gewesen, erklärte Tremonti.

Beide hatten sich kurzfristig am Mittwochmorgen in Luxemburg getroffen, nachdem schon am Vortag die Rendite bei italienischen zehnjährigen Staatsanleihen auf ein neues Rekordhoch gestiegen war.

Am Abend wird Berlusconi vor die beiden Parlamentskammern treten und eine Rede halten. Ursprünglich waren diese schon früher geplant, er will allerdings den Börsenschluss abwarten.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Italien und Spanien sind der Litmus Test für die Eurozone

  • Das ist eine gute Nachricht für uns. Wenn die Anzeichen sich weiter mehren ist das Ende des Euros nicht mehr aufzuhalten.

    Die derzeitigen Politiker verwenden die alten „Phrasen“, den Euro hält weder Ochs noch Esel auf. (Honecker)

    Der Endsieg ist Alternativlos. (unbekannter Autor)

    Nur glauben immer weniger Menschen dieser Propaganda.

  • Wer wirklich glaubt, ein Austritt Deutschlands aus der Währungsunion würde einen deutschen Staatsbankrott verhindern, der hat das moderne Finanzsystem nicht verstanden. Glaubt denn wirklich jemand, die deutschen Banken und die deutsche Wirtschaft würden einen Eurozerfall ohne massive Verluste überstehen? Und dann bleibt wieder nur die Wahl zwischen Bankenrettung und Konjunkturprogramm auf Staatskosten - oder eben einem erheblichen Rückgang der Wirtschaft. Beides dürfte auch Deutschland in den Bankrott treiben. Da unterscheiden wir uns in keiner Weise von anderen Pleitestaaten - ob mit oder ohne Euro. Das sind alles nur unterschiedliche Wege der Insolvenzverschleppung.

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