Italien-Anleihen
Der „Papagallo“ hat die Investoren (noch) nicht vergrault

Italien platziert erfolgreich neue Anleihen am Markt. Nach dem angekündigte Rücktritt von Ministerpräsident Monti und der möglichen Rückkehr seines illustren Vorgängers, war das nicht unbedingt zu erwarten.
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FrankfurtDie Kurse von Bundesanleihen und Treasuries sind am Mittwoch gefallen. Indes hat sich die Aufwärtsbewegung bei griechischen Anleihen fortgesetzt und Italien hat erfolgreich Schatzanweisungen an den Markt gebracht. Die Rendite von zehnjährigen griechischen Bonds sank um 55 Basispunkte auf 12,13 Prozent. Damit ist sie innerhalb einer Woche um 284 Basispunkte zurückgegangen. Griechenland hat das gesetzte Ziel-Volumen beim Rückkauf von Staatsanleihen erreicht.

Gläubiger boten Staatsanleihen im Nominalwert von 31,9 Mrd. Euro an, teilte die griechische Schuldenagentur mit. Dadurch hat das Land eine der Auflagen erfüllt, die Bedingung für weitere Hilfsgelder von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Union (EU) sind. “Sie mussten den Rückkauf hinter sich bringen, die Finanzminister können sich nun die Hilfen anschauen”, sagte Owen Callan, Analyst bei Danske Bank A/S in Dublin. “Der fundamentale Wert dieser Anleihen ist gestiegen.”

Italienische Anleihen waren ebenfalls gefragt. Das Land nahm 6,5 Mrd. Euro über Schatzanweisungen mit 364 Tagen Laufzeit auf. Die Emissionsrendite lag bei 1,456 Prozent, verglichen mit 1,762 Prozent am 13. November und war die niedrigste in dieser Laufzeitenkategorie seit März. Es war die erste Emission des Landes, seit Ministerpräsident Mario Monti seinen Rücktritt und sein illustrer Vorgänger, Silvio Berlusconi, sein Comeback angekündigt hat.

Was sich zunächst wie eine Posse aus dem Land des Dolce Vita anhört, könnte ernste Konsequenzen für die gesamte Euro-Zone haben. Mit Italien steht und fällt die Rettung des Euros. „Die italienischen Wahlen stehen weit oben auf unserer Liste der Risiken“, sagte Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank. „Ein Berlusconi-Wahlkampf gegen einen ‚deutschen Sparkurs‘ hätte das Potenzial, die Märkte zu verunsichern.“ Mancher hatte deshalb geglaubg, die Rückkehr des "Papagallo" würde die Anleihe-Platzierung erschweren.
Auf neue Konjunkturdaten reagierten die europäischen Bondmärkte indes kaum. Die Industrieproduktion ist im Oktober um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen. Ökonomen hatten einer Bloomberg-Umfrage zufolge lediglich eine Stagnation erwartet.

Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei 1,34 Prozent drei Basispunkte höher. Am Terminmarkt büßte der Bund-Future 29 Basispunkte auf 145,12 Prozent ein. Die Rendite von zehnjährigen US-Bonds war bei 1,67 Prozent einen Basispunkt über dem Vortageswert. Am heutigen Mittwoch geht die zweitägige Sitzung der US-Notenbank zu Ende. Ökonomen erwarten, dass die Federal Reserve neue Bondkäufe bekannt geben wird.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italien-Anleihen : Der „Papagallo“ hat die Investoren (noch) nicht vergrault"

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  • ok - und wieviel davon hat die diesmal EZB gekauft?!?

    Der Logik Berlusconi's folgend hat die EZB in der Vergangenheit keine Stützungskäufe getätigt, sondern Käufe getätigt, weil "italienische Staatsanleiehn ein gutes Investment sind". Vermute die EZB hat sich diese Gelegenheit für eine weiteres Top-Investment mal wieder nicht entgehen lassen ;-)

  • Bunga Bunga Berli!
    Wenn die Aussage richtig ist "Ein Volk hat immer die Regierung, die es verdient", dann hatten die Italiener in der Zeit von Berliscona wohl nichts gutes verdient (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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