Italien Staatsanleihen auf den Verkaufslisten

Wegen der Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Zukunft in Italien trennen sich immer mehr Anleger von italienischen Staatsanleihen. Ursache ist ein Vorschlag von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi.
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Experten gehen davon aus, dass Berlusconi sich mit der Idee einer Parallelwährung positionieren will, um mit der Lega Nord und der ebenfalls rechtsgerichteten Partei Fratelli d'Italia ein Bündnis zu schmieden. Quelle: Reuters
Silvio Berlusconi

Experten gehen davon aus, dass Berlusconi sich mit der Idee einer Parallelwährung positionieren will, um mit der Lega Nord und der ebenfalls rechtsgerichteten Partei Fratelli d'Italia ein Bündnis zu schmieden.

(Foto: Reuters)

FrankfurtAn den Anleihemärkten macht sich zunehmend eine Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Zukunft Italiens breit. Anleger trennten sich daher am Mittwoch von Anleihen des Landes, die Rendite der zehnjährigen Titel stieg im Gegenzug auf ein Vier-Wochen-Hoch von 2,16 Prozent.

Analysten führten die Verkäufe auf einen Medienbericht vom Dienstag zurück, wonach Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und seine Mitte-Rechts-Partei Forza Italia mit dem Gedanken an die Einführung einer Parallelwährung spielen. Dies hatte die Renditen italienischer Anleihen bereits am Dienstag in die Höhe getrieben.

Die größten Anleihe-Deals aller Zeiten
Platz 13: France Télécom - heute Orange
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Die Anleiheplatzierung über 16,4 Milliarden Euro von France Télécom liegt mehr als anderthalb Jahrzehnte zurück – der Bondverkauf vom 6. März 2001 ist aber bis dato der größte Deal am Anleihemarkt eines Unternehmens aus dem Euro-Raum. Seinerzeit war es sogar die weltweit größte Unternehmensanleihe. Grund für den Kapitalhunger der Franzosen war die Refinanzierung der teuren UMTS-Lizenzen und die Übernahme des Mobilfunkkonzerns Orange. Im Sommer 2013 hat sich France Télécom in Orange umbenannt. Wie alle Mega-Anleihen gab es dabei verschiedene Tranchen mit verschiedenen Laufzeiten. Dazu sammelten die Franzosen das Geld in verschiedenen Währungen – Dollar, Euro und Britischem Pfund – ein.

Quelle: Dealogic

Platz 12: Roche
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche begab acht Jahre nach France Télécom einen Mega-Bond und sammelte am 18. Februar 2009 16,5 Milliarden Dollar mit einer Anleihe ein. Damit refinanzierte Roche einen Teil der Komplettübernahme der US-Tochter Genentech.

Quelle: Dealogic

Platz 11: Amazon
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16 Milliarden Dollar hat sich der Online-Händler am 15. August 2017 geliehen. Das Geld braucht der Konzern, um den Brückenkredit für die Übernahme von Whole Foods Markets zu refinanzieren. Amazon teilte den Bond in sieben verschiedene Laufzeiten von drei bis 40 Jahren auf. Die Zinskupons variierten zwischen 1,9 für die drei- und 4,25 für die 40jährige Tranche.

Quelle: Bloomberg

Platz 10: AbbVie
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Am 5. Mai 2015 lieht sich der US-Pharmakonzern AbbVie auf einen Schlag 16,7 Milliarden Dollar bei Anleiheinvestoren. Zuvor hatte der Pharmakonzern 21 Milliarden Dollar gezahlt, um den Spezialanbieter Pharmacyclics zu übernehmen.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 1: Microsoft
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Der US-Konzern hat am 30. Januar die größte Anleihe des Jahres 2017 begeben. Der Softwaregigant begab Bonds in sieben verschiedenen Dollar-Tranchen über zusammen 17 Milliarden US-Dollar. In der Liste der Top-Ten der größten Bond-Emissionen taucht Microsoft damit gleich zweimal auf. Anleihen über 17 Milliarden Dollar haben aber auch noch zwei weitere US-Unternehmen begeben.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 2: Medtronic
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Der amerikanische Medizintechnikkonzern Medtronic hatte 2014 die irische Covidien für 43 Milliarden Dollar übernommen. Einen Teil davon refinanzierte Medtronic am 1. Dezember 2014 mit einer Mega-Anleiheplatzierung über insgesamt 17 Milliarden Dollar.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 3: Apple
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Auch Apple holte sich auf einen Schlag 17 Milliarden Dollar am Anleihemarkt, und zwar am 30. April 2014. Das war damals die größte Bond-Emission. Der iPhone und iPad Konzern brauchte das Geld aber nicht für eine Übernahme, sondern um die Dividende zu erhöhen und Aktien zurückzukaufen. Dabei diente die Bond-Emission als Steuersparmodell. Der Grund: Apple hatte Barreserven von 145 Milliarden Dollar, von denen 102 Milliarden Dollar außerhalb der USA kurzfristig geparkt waren. Bei einer Überweisung dieser Gelder in die USA wären Steuern fällig geworden.

Quelle: Dealogic

In Italien stehen 2018 Neuwahlen an. „Möglichweise rücken die diversen Wahlprogramme der italienischen Parteien allmählich in den Fokus der Investoren, und sie fangen wahrscheinlich an, sich Sorgen über die künftige Schuldentragfähigkeit des Landes zu machen“, sagte Anleiheexperte Dirk Gojny von der National-Bank.

Anleger sorgen sich vor allem, dass bei den Wahlen Euro-skeptische Parteien gewinnen. Experten gehen davon aus, dass Berlusconi sich mit der Idee einer Parallelwährung positionieren will, um mit der Lega Nord und der ebenfalls rechtsgerichteten Partei Fratelli d'Italia ein Bündnis zu schmieden.

  • rtr
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