Italienische Anleihen
Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten

Italien bekommt eine neue Regierung. Doch am Kapitalmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren. Das Land bekommt zwar noch Geld - muss aber für neue Anleihen enorm hohe Zinsen zahlen. Euro und Aktien knicken ein.
  • 27

DüsseldorfBerlusconi ist weg. Doch die Probleme sind die alten. Italien braucht dringend Geld – und muss extrem hohe Zinsen bieten, um welches zu bekommen. Am Finanzmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren.

Während der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti in diesen Stunden versucht, eine Regierung auf die Beine zu stellen, lassen die Investoren nicht locker. Bei einer Auktion von Staatsanleihen hat Italien am Montag zwar wie geplant drei Milliarden Euro eingesammelt. Allerdings wird für die Papiere mit einer Laufzeit bis Mitte September 2016 ein Rekord-Zins von 6,29 Prozent fällig. Derart hohe Zinsen für fünfjährige Bonds musste das Land den Anlegern seit Einführung des Euro noch nicht zahlen. Zum Vergleich: Mitte Oktober wurden bei einer vergleichbaren Auktion lediglich 5,3 Prozent fällig.

Der Euro fiel nach der Anleihe-Auktion zurück. Er gab 1,3 Prozent nach auf 1,3626 Dollar. In Frankfurt fiel der Dax um 1,6 Prozent auf 5960 Punkte, nachdem er am Morgen noch im Plus gelegen hatte. Der Mailänder Leitindex rutschte ebenfalls ins Minus und fiel um 2,1 Prozent auf 15.447 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Italien-Bonds um 24 Basispunkte auf 6,66 Prozent - damit liegt sie aber noch unter dem Rekordhoch der Vorwoche bei 7,46 Prozent.

„Es war eine ordentliche Anleihe-Emission“, sagte Zinsstratege Peter Chatwell von der Credit Agricole CIB. Italien habe schließlich sämtliche Papiere platziert. „Kurzfristig ist das positiv“, fügte er hinzu. „Langfristig ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass die Renditen zuletzt deutlich gestiegen sind.“

Italien steckt tief im Schuldensumpf. Die Verschuldung wird auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Die neue Regierung unter Monti muss dringend Reformen durchsetzen, um das Defizit zu begrenzen. Ob es Italien aus eigener Kraft aus der Krise schaffen kann, ist umstritten. Am Markt wird darüber spekuliert, ob das Land habe den „Point-of-no-return“ bereits überschritten hat. Bei Zinsen in Höhe von sieben Prozent mussten andere Länder unter dem Euro-Rettungsschirm flüchten. „Die Zinsen treiben einem die Tränen in die Augen. Das lässt sich nur für eine überschaubare Zeit durchhalten“, sagt David Schnautz, Zinstratege von der Commerzbank.

Seite 1:

Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten

Seite 2:

Weidmann wettert gegen Anleihekäufe

Kommentare zu " Italienische Anleihen: Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es kann sich dann etwas verändern, wenn sich die Einstellungen der Menschen ändern!
    Die "Wirtschaft" ist kein anonymes Wesen - sie besteht aus Menschen!

  • Soviel zu Ihren Dogmen (ein Zitat!):

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!

    Zumindest was die Logik der fraktalen Zufälligkeit und deren Verteilung betrifft, muss man Mandelbrot wie auch Nassim Nicholas Taleb anerkennen, dass sie einige der wenigen sind, die die Komplexität der menschlichen Unfähigkeit aufnahmebereit zu sein, zumindest was unbequeme Neuigkeiten anbelangt und für die meisten, auch aus den Fachgebieten, unbegreiflich zu sein scheint, kritisieren und sich trotz aussichtsloser Lage weiterhin um Aufklärung bemühen.
    Dass Sie darauf anspielen, dass wir nicht so viel wissen, wie wir gerne vorgeben, zeugt von enormer Weitsicht, die die für die künftigen Wissenschafter verantwortlichen ausbildenden Professoren wohl gezielt werden ignorieren müssen, obwohl die einfache Lösung – mittelst Gauß’scher Glockenkurve – Verteilungen zu berechnen und daraus Risiken, die die Zukunft betreffen, abzuleiten, indem man versucht, durch Betrachtung der Vergangenheit, die künftige Entwicklung zu interpretieren, in bezug auf wirtschaftswissenschaftliche Themen mehr als fehlgeschlagen ist und da die wirtschafts-, die finanzmathematische, besonders aber die statistische Theorie ohne dieses Falsums nicht nur den Herren an den Universitäten die Lebensgrundlage entzöge: Die Ignoranz der meisten Wissenschafter gegen das mandelbrotische System und die dadurch unterlassene Sensibilisierung für die Risiken am Finanzmarkt lässt erkennen, dass sich auch künftig nichts ändern wird. Ganz nach dem Motto:

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!

  • Was Sie als Argumente empfinden bzw. als wirtschaftl. Anspielungen sehen, sind Glaubenssätze wie in der Kirche. Und Gläubige wollen nicht wissen - sie geben sich mit einfachen Dogmen zufrieden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%