Italienische Anleihen

Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten

Italien bekommt eine neue Regierung. Doch am Kapitalmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren. Das Land bekommt zwar noch Geld - muss aber für neue Anleihen enorm hohe Zinsen zahlen. Euro und Aktien knicken ein.
Update: 14.11.2011 - 16:07 Uhr 27 Kommentare
Börsenhändler in Frankfurt. Quelle: dpa

Börsenhändler in Frankfurt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfBerlusconi ist weg. Doch die Probleme sind die alten. Italien braucht dringend Geld – und muss extrem hohe Zinsen bieten, um welches zu bekommen. Am Finanzmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren.

Während der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti in diesen Stunden versucht, eine Regierung auf die Beine zu stellen, lassen die Investoren nicht locker. Bei einer Auktion von Staatsanleihen hat Italien am Montag zwar wie geplant drei Milliarden Euro eingesammelt. Allerdings wird für die Papiere mit einer Laufzeit bis Mitte September 2016 ein Rekord-Zins von 6,29 Prozent fällig. Derart hohe Zinsen für fünfjährige Bonds musste das Land den Anlegern seit Einführung des Euro noch nicht zahlen. Zum Vergleich: Mitte Oktober wurden bei einer vergleichbaren Auktion lediglich 5,3 Prozent fällig.

Der Euro fiel nach der Anleihe-Auktion zurück. Er gab 1,3 Prozent nach auf 1,3626 Dollar. In Frankfurt fiel der Dax um 1,6 Prozent auf 5960 Punkte, nachdem er am Morgen noch im Plus gelegen hatte. Der Mailänder Leitindex rutschte ebenfalls ins Minus und fiel um 2,1 Prozent auf 15.447 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Italien-Bonds um 24 Basispunkte auf 6,66 Prozent - damit liegt sie aber noch unter dem Rekordhoch der Vorwoche bei 7,46 Prozent.

„Es war eine ordentliche Anleihe-Emission“, sagte Zinsstratege Peter Chatwell von der Credit Agricole CIB. Italien habe schließlich sämtliche Papiere platziert. „Kurzfristig ist das positiv“, fügte er hinzu. „Langfristig ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass die Renditen zuletzt deutlich gestiegen sind.“

Italien steckt tief im Schuldensumpf. Die Verschuldung wird auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Die neue Regierung unter Monti muss dringend Reformen durchsetzen, um das Defizit zu begrenzen. Ob es Italien aus eigener Kraft aus der Krise schaffen kann, ist umstritten. Am Markt wird darüber spekuliert, ob das Land habe den „Point-of-no-return“ bereits überschritten hat. Bei Zinsen in Höhe von sieben Prozent mussten andere Länder unter dem Euro-Rettungsschirm flüchten. „Die Zinsen treiben einem die Tränen in die Augen. Das lässt sich nur für eine überschaubare Zeit durchhalten“, sagt David Schnautz, Zinstratege von der Commerzbank.

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27 Kommentare zu "Italienische Anleihen: Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten"

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  • Es kann sich dann etwas verändern, wenn sich die Einstellungen der Menschen ändern!
    Die "Wirtschaft" ist kein anonymes Wesen - sie besteht aus Menschen!

  • Soviel zu Ihren Dogmen (ein Zitat!):

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!

    Zumindest was die Logik der fraktalen Zufälligkeit und deren Verteilung betrifft, muss man Mandelbrot wie auch Nassim Nicholas Taleb anerkennen, dass sie einige der wenigen sind, die die Komplexität der menschlichen Unfähigkeit aufnahmebereit zu sein, zumindest was unbequeme Neuigkeiten anbelangt und für die meisten, auch aus den Fachgebieten, unbegreiflich zu sein scheint, kritisieren und sich trotz aussichtsloser Lage weiterhin um Aufklärung bemühen.
    Dass Sie darauf anspielen, dass wir nicht so viel wissen, wie wir gerne vorgeben, zeugt von enormer Weitsicht, die die für die künftigen Wissenschafter verantwortlichen ausbildenden Professoren wohl gezielt werden ignorieren müssen, obwohl die einfache Lösung – mittelst Gauß’scher Glockenkurve – Verteilungen zu berechnen und daraus Risiken, die die Zukunft betreffen, abzuleiten, indem man versucht, durch Betrachtung der Vergangenheit, die künftige Entwicklung zu interpretieren, in bezug auf wirtschaftswissenschaftliche Themen mehr als fehlgeschlagen ist und da die wirtschafts-, die finanzmathematische, besonders aber die statistische Theorie ohne dieses Falsums nicht nur den Herren an den Universitäten die Lebensgrundlage entzöge: Die Ignoranz der meisten Wissenschafter gegen das mandelbrotische System und die dadurch unterlassene Sensibilisierung für die Risiken am Finanzmarkt lässt erkennen, dass sich auch künftig nichts ändern wird. Ganz nach dem Motto:

    Gauß ist tot, es lebe Gauß!

  • Was Sie als Argumente empfinden bzw. als wirtschaftl. Anspielungen sehen, sind Glaubenssätze wie in der Kirche. Und Gläubige wollen nicht wissen - sie geben sich mit einfachen Dogmen zufrieden.

  • @ Finanztiger

    Wenn Sie mit "Ihr Reden ist nur wirr! Null Argumente!" auf folgende Meldung anspielen: "PS: Neptun offiziell und Finanztiger anonym, oder wie ist das gewesen?", dann hat er allerdings viele Argumente, weil es gewisse Wörter, Satzzeichen ... alles in allem einfach die stilistischen Wiederholungen sind, die darauf schließen lassen.

    Wenn Sie allerdings die wirtschaftlichen Anspielungen meinen, sind seine Argumente noch weit erdrückender. :-(

  • Italien übt sich wieder einmal im politischen Dilettantismus. Berlusconi ist weg und nichts ist gewonnen. Was will Mario Monti mit einer so genannten Übergangsregierung, die noch immer nicht gezimmeert ist und die im Parlament weiterhin von der Mehrheit von Berlusconis LDP und Lega Nord abhängig ist? Für keine politische Maßnahme ist Monti eine eigene Mehrheit garantiert. Ein dümmliches Theater, das sich da in Rom abspielt. Wohl wahr: Vergleiche hinken. Aber der einzig vernünftige Weg wäre der, so rasch wie möglich Neuwahlen anzusteuern. Monti könnte damit jetzt noch eine deutliche Mehrheit erringen, weil die Berlusconi-Figuren mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Parlament gefegt würden. Wenn er zuwartet, in seinen politischen Bemühungen sich kurzfristig kein Erfolg abzeichnet und die italienischen satsanleihen weiter im Trommelfeuer der Märkte stehen, dann wird Monti scheitern. Die Wählerinnen und Wähler werden ihm ihr verzweifeltes Vertrauen entziehen und Demsgogen vom Schlage Berlusconis ihr Glück versuchen. Erinnern wir uns: Ein politisch gescheiterter Wirtschaftsprofessor Romano Prodi und mit ihm die unfähige Linke war das Startsignal für Silvio Berlusconi. Geschichte wiederholt sich nie, heißt es - aber wer weiß?

  • "... weil er nur Finanzierer sein kann, wenn er ... das Geld ... von anderen abgepresst oder selbst ... ausgeliehen hat - in der Hoffnung, später durch Spekulations-Gewinne mehr als rückzahlungsfähig zu sein ... weil niemand mehr zurückzahlen kann, als er irgendwie erhalten hat ..."

    So ist es! Am besten zu verstehen, wenn man den Markt auf zwei Personen herunter bricht. Wie zahle ich Ihnen die Zinsen, wenn Sie mir 100.000€ geliehen haben, ich das Geld aber nicht selbst herstellen darf? In einem Markt mit vielen Handelspartnern fällt dieses Problem natürlich erst sehr viel später auf, da jeder bestrebt sein wird, den anderen das Geld abzupressen, wie Sie es nennen, wodurch zuerst auf der einen Seite immer mehr Millionäre entstehen, auf der anderen mehr Menschen verarmen und zu guter Letzt immer mehr Milliardäre hervortreten, wodurch aber die Millionäre verarmen. Ist das geschafft, treten die Milliardäre in Konkurrenz, wobei am Schluß ein einziger von Ihnen alles hätte. So weit kommt es aber nie, da das System vorher durch Unruhen kollabiert. Klar ist das noch eine vereinfachte Darstellung, aber sie zeigt die Richtung auf, in die wir uns bewegen.

  • Ich habe es nur einfach satt, wenn hier die großen "Vereinfacher" nur mit platten, griffigen - wie ich meine - naiven Parolen um sich schmeißen, die den Kern der Probleme nicht treffen. Ich bin halt der Meinung, dass in einer komplexen Welt es auch nur komplexer Antworten bedarf.

  • Geehrter Herr Olliver,
    Sie haben recht und das Privileg der Geldmittelproduktion offensichtlich verstanden. Auch scheinen Sie die Gefahr, die uns daraus erwächst, erkannt zu haben. Leider ist es für eine wirklich weiche Landung zu spät geworden, weil auch viele US-Staaten gewaltig straucheln. Und die spekulativ finanzierte Immobilienblase Chinas macht mir ebenfalls große Sorgen. Hier steckt noch eine Zeitbombe versteckt.

  • Lieber Tiger,
    nicht jeder ist fähig, Argumente aus der Ironie zu lösen.

  • Ihr Reden ist nur wirr! Null Argumente!

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