Italiens Ratingherabstufung
Erst das Land und dann die Banken

Für das hoch verschuldete EU-Sorgenkind Italien war es ein erneuter Schlag: Die Ratingagentur Moody’s hat den Daumen gesenkt und das Land herabgestuft. Das lässt Böses ahnen für Italiens Banken.
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DüsseldorfDas Vertrauen der Märkte in Italien schwindet – und nun legte Moody’s nach. Die Ratingagentur hat ihre Bewertung für italienische Staatsanleihen zurückgenommen. Die Einstufung werde von „Aa2“ auf „A2“ gesenkt bei einem negativen Ausblick, teilte die Ratingagentur am Dienstagabend mit.

Das lässt Böses ahnen für Italiens Banken. Vor gut zwei Wochen hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Staatsbonität Italiens von „A+“ auf „A“ gesenkt – mit negativem Ausblick. Nur wenige Tage später legte S & P nach und stufte die langfristige Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Instituten herab und bewertete deren Ausblick mit negativ. Damals hieß es, die Herabstufung der Geldhäuser sei eng verknüpft mit der Bewertung der Staatsbonität. Außerdem erklärte S&P, dass das Rating einer Bank üblicherweise nicht das Rating des Landes übersteigen könne.

Unter den von S & P abgestraften Bankhäusern waren auch Größen wie Mediobanca und Intesa SanPaolo, die von der Bonitätsstufe „A+“ auf „A“ rutschten. Die Ratingagentur drohte, dass noch acht weitere Häuser abgewertet werden könnten - unter anderen die größte italienische Bank Unicredit.

Eine schlechtere Kreditwürdigkeit bedeutet generell höhere Zinsen, wenn es darum geht, sich Kapital zu beschaffen, da die Geldgeber sich das größere Risiko eines Ausfalls bezahlen lassen. Investitionen und Anschaffungen könnten ausbleiben. Die Wachstumsaussichten dürften sich weiter verdüstern.

Düster dürfte es auch in den Depots der Anleger ausschauen. Seit Anfang August, als die Börsen weltweit abstürzten, ist der Börsenwert der italienischen Banken empfindlich geschrumpft. Unicredit büßten 35,5 Prozent und Intesa 23,2 Prozent ein. Moderat ist das Minus mit 6,15 Prozent bei Mediobanca.

Zuletzt sah es aber wieder besser aus, denn Marktteilnehmer hatten mit den Herabstufungen der Banken durch S&P gerechnet. Kursverluste verbuchten die Aktien deshalb kaum, im Gegenteil. Seit dem 21. September, dem Tag, an dem S&P Italiens Banken abstrafte, hat der Unicredit-Kurs um 11,17 Prozent zugelegt. Intesa kam sogar auf ein Plus von 18,2 Prozent. Und Mediobanca legten 3,9 Prozent zu.

Analysten hatten zuletzt allerdings keine klare Meinung zu italienischen Bankentiteln: Sechs Experten haben in den vergangenen vier Wochen nach Daten von Bloomberg zum Kauf von Unicredit-Aktien geraten, acht sagten „Halten“, fünf urteilten „Verkaufen“. Ähnliches Bild bei Mediobanco: sechs Kaufempfehlungen, vier Mal „Halten“ und zwei Mal lautete der Rat „Verkaufen“. Etwas positiver ist die Stimmung für die Papiere von Intesa San Paolo. Zwölf Analysten hoben den Daumen, acht sagten „Halten“ und nur einmal hieß es „Verkaufen“.

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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