Japanische Bonds verlieren kräftig
Anstieg der Anleiherenditen gerät ins Stocken

Die Kurse europäischer Staatsanleihen sind gestern den vierten Tag in Folge gefallen und ihre Renditen damit gestiegen.

FRANKFURT/M. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Maßstab für die Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktzinsen in der Euro-Zone gilt, stieg zeitweise auf 3,16 Prozent und damit den höchsten Stand seit einem Monat. Auf diesem Niveau fanden sich jedoch prompt wieder Käufer, so dass die Rendite am Abend mit 3,12 Prozent nur marginal über dem Vortagsniveau lag.

Ein Auslöser für den gestrigen Anstieg der Kapitalmarktzinsen waren Äußerungen des japanischen Notenbankers Miyako Suda, wonach sich die expansive Geldpolitik dem Ende nähert. Seit fünf Jahren liegen die Leitzinsen in Tokio nahe null Prozent. Die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihe stieg gestern kräftig auf 1,45 Prozent, die fünfjähriger auf 0,75 Prozent und damit den höchsten Stand seit über einem Jahr.

Der Terminkontrakt Bund-Future schloss in der Dezember-Fälligkeit um 0,07 Prozentpunkte im Plus bei 122,84 Prozent. Zuvor war er bis auf 122,43 Prozent gefallen. In den USA rentierte die zehnjährige Staatsanleihen am frühen Nachmittag in New York deutlich niedriger bei 4,26 (nach 4,29) Prozent.

Die deutlich höher als erwartet ausgefallenen Auftragseingänge für Gebrauchsgüter in den USA (s. Aktienmarktbericht) belasteten die Anleihen nicht. Auf der anderen Seite konnten auch die Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die einen Rückgang der Stimmung deutscher Konsumenten im Oktober aufwiesen, den Rentenmärkten nicht helfen. Das galt auch für einen Bericht der Ratingagentur Moody’s, der bekräftigte, dass das Rating „Aaa“ für Deutschland nicht in Gefahr sei. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hatte in der vergangenen Woche zwar auch das Spitzenratings Deutschlands bekräftigt, aber – wie in der Vergangenheit schon oft – zu Reformen gemahnt. Moody’s betonte dagegen, nur eine ausgeprägte, mehrere Jahre andauernde Politik des „Deficit Spending“ in Verbindung mit einem nur geringen nominalen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts und fehlenden Reformen könnte zu Schuldenkennzahlen führen, die mit einem „Aaa“-Rating nicht mehr vereinbar wären.

Am Markt für neue Anleihen zurrte die KfW Bankengruppe die Konditionen für ihre dreijährige Anleihe über fünf Mrd. Euro fest. Zins- und Ausgabekurs ergaben eine Rendite von 2,52 Prozent. Für den Bond bekamen die Konsortialführer BNP Paribas, Citigroup und Lehman Brothers Kaufaufträge über 7,1 Mrd. Euro. Der Bond ist die 15. Anleihe unter dem Euro-Benchmark-Programm der staatlichen Förderbank und für dieses Jahr auch die letzte. In diesem Jahr hat die KfW drei Euro-Benchmarks – also richtungsweisende Anleihen – begeben.

Im Blickpunkt stand auch die zehnjährige Anleihe Israels über 750 Mill. Euro, die größte Euro-Emission in der Geschichte des Landes. Im Handel hieß es, die Konsortialführer Deutsche Bank und Morgan Stanley hätten Kaufaufträge über vier Mrd. Euro bekommen. Der Bond bot eine Rendite von 3,79 Prozent. S&P und Fitch bewerten Israel mit dem sechstbesten Rating „A-“, Moody’s mit „A“ eine Stufe höher.

Von sich reden machte auch die Deutsche Telekom, die einen dreijährigen variabel verzinsten Bond (Floater) über 500 Mill. Euro plant. Das Mandat teilen sich ABN Amro und Banc of America Securities. Zuletzt hatte die Telekom im April einen vierjährigen Floater über 500 Mill. Euro platziert.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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