Jetzt befürchten Experten Rückschläge
Die Luft an den Bondmärkten wird dünn

Investoren, die zu Beginn des Jahres Anleihen – gleich welcher Art – gekauft haben, können sich freuen. Staatsanleihen und sichere Anlagen wie Pfandbriefe oder Bonds von staatlichen Institutionen wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau profitierten im ersten Halbjahr vor allem von der Konjunkturschwäche.

FRANKFURT/M. Dementsprechend stiegen die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere, und ihre Renditen sanken deutlich. Unternehmensanleihen schnitten gut ab, weil Anleger nach höher verzinslichen Alternativen zu Staatsbonds bei größerer Sicherheit als bei Aktien suchten.

Angesichts der anhaltenden Rally werden Investoren und Analysten aber langsam skeptisch. Torstein Jorstad, Leiter des Kreditresearchs bei West LB Global Financial Markets in London, empfiehlt Anlegern, bei Unternehmensbonds Gewinne mitzunehmen. „Die Investoren halten kaum noch Liquidität, die sie in neue Unternehmensanleihen stecken können.“ Außerdem erwartet er, dass Anleger in der zweiten Jahreshälfte ihr Geld aus Anleihen abziehen und in die sich erholenden Aktienmärkte stecken könnten.

Auch Garland Hansmann, Fondsmanager bei Credit Suisse Asset Management, befürchtet Rückschläge bei Unternehmensanleihen. „Technisch ist der Markt zwar weiter gut unterstützt, fundamental könnten jedoch schlechte Nachrichten zur konjunkturellen Entwicklung die gute Stimmung für Unternehmensanleihen schnell wieder kippen lassen“, sagt Hansmann. Die Bonds vieler Unternehmen etwa aus der Telekombranche seien zudem inzwischen zu teuer, die Risikoaufschläge (Spreads) also zu gering. Die Spreads von Telekom- gegenüber Staatsanleihen haben sich seit Jahresbeginn annähernd halbiert und liegen im Schnitt nur noch bei knapp 90 Basispunkten (0,9 Prozentpunkte). Dabei profitierten die Anleihen der Telekoms vom Schuldenabbau. So verschaffte sich etwa France Télécom unter anderem durch eine Kapitalerhöhung über 15 Mrd. Euro Luft.

Die gute Performance der Unternehmensanleihen erklärt Hansmann auch damit, dass viele Collateralized Bond Obligations (CBOs) aufgelegt worden seien. CBOs werden meist von Banken begeben, die verschiedene Unternehmensanleihen bündeln und als Verbriefung am Kapitalmarkt platzieren.

So deutlich wie bislang werden die Renditen von Unternehmensanleihen nach Meinung von Alan Capper zwar nicht weiter sinken. Dennoch ist der Leiter der Kredit-Portfolio-Strategie bei BNP Paribas optimistisch: So lange es keine besonders schlechten Nachrichten gebe, sollten Investoren weiter zu Unternehmensbonds greifen. Dass Anleger neue Bonds suchen, zeigt die jüngste Emission von General Motors über 17 Mrd. Dollar, für die es Kaufaufträge über mehr als als 40 Mrd. Dollar gab.

Noch höhere Erträge als Unternehmensanleihen brachten im ersten Halbjahr die Anleihen aus Schwellenländern. Mit rund 60 % schafften Bonds aus Argentinien den höchsten Gesamtertrag. Grund ist die Hoffnung auf eine Umschuldung. „Die Bonds sind allerdings illiquide und kommen von sehr niedrigen Kursen“, schränkt Mauro Toldo, Rentenanalyst bei der DZ Bank ein. Zu den Top-Performern zählte auch Brasilien. Für das zweite Halbjahr empfiehlt die DZ Bank vor allem Anleihen aus Osteuropa und aus Kolumbien. Generell gelte jedoch, dass viele gute Nachrichten bereits in den Bondkursen eingepreist seien, sagt Toldo. „Die Risikoaufschläge sind inzwischen zum Teil so gering, dass Rückschläge nicht auszuschließen sind.“

Das gilt auch für die Staatsanleihen der Industrienationen. Dennoch gehen die meisten Experten davon aus, dass die für Europa richtungweisende zehnjährige Bundesanleihe am Jahresende noch unter ihrem Niveau vom Jahresanfang (4,33 %) rentieren wird. Im vergangenen Monat hatte die Rendite mit 3,47 % ein Allzeittief markiert, seitdem ist sie wieder gestiegen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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