Junkbonds weiter gefragt: Anleger sind heiß auf Ramsch

Junkbonds weiter gefragt
Anleger sind heiß auf Ramsch

Die Risikofreude der Anleger in Europa steigt. Um die hohen Zinsen zu kassieren, greifen sie vermehrt zu Firmenanleihen mit Ramsch-Rating – oder sogar ohne Bewertung. Ausgelöst hat das EZB-Chef Mario Draghi.
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LondonDie Deutsche Bank hat ein Herz für bedürftige Unternehmen aus Griechenland. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg soll das Institut zusammen mit BNP Paribas und HSBC eine Anleihe von Telecommunications Organization platzieren, dem größten griechischen Telekomkonzern. Die Bonitätsnote der Papiere ist die schlechteste eines Unternehmens aus der Eurozonen-Peripherie seit mindestens sieben Jahren.

Der Konzern, auch bekannt unter der Abkürzung OTE, wird von Moody's mit der Note “Caa1” bewertet. Das sind sieben Stufen unter “Investmentgrade”. OTE, die zu 40 Prozent der Deutsche Telekom gehört, wird informierten Kreisen zufolge fünfjährige Papiere im Volumen von 700 Mio. Euro mit einem Kupon von 7,875 Prozent anbieten. “Der Risiko-Appetit ist da, selbst für griechische Namen”, sagte Fonds-Manager Dimitris Dalipis von Alpha Trust Mutual in Athen. “In diesen Tagen kann man nicht viele Bonds mit ordentlichen Renditen finden, selbst nicht im Bereich der Hochzins-Papiere von Unternehmen.”

Die zunehmende Zuversicht in die Aussichten für den Euroraum spiegelt sich auch bei den Junkbonds der Region wider. Die Risikoprämien der Hochzinspapiere im Vergleich zu Anleihen der Kategorie „Investmentgrade“ sind auf den niedrigsten Stand seit den Anfängen der Finanzkrise gesunken.

Emittenten mit einem „Ramsch-Rating“ wie beispielsweise der Autobauer Renault SA, der französische Telekomausrüster Alcatel-Lucent und die portugiesische Telecom SGPS SA zahlen durchschnittlich 3,25 Prozentpunkte mehr als die Emittenten der sichersten Papiere, wie aus Daten von Merrill Lynch, der Investment-Tochter der Bank of America, hervorgeht. Im März 2009 lag der Risikoaufschlag noch bei einem Höchstwert von 20,7 Prozentpunkten.

Die risikoreichsten Unternehmensanleihen legen – wie auch die Staatsanleihen und der Euro – eine Rally hin, nachdem die Fiskalkrise und die Gefahr eines Auseinanderfallens des Euroraums nachlassen. EZB-Präsident Mario Draghi zeigt eine größere Bereitschaft als sein Vorgänger Jean-Claude Trichet, die Ressourcen der EZB für eine Stärkung des Finanzsystems einzusetzen. „Angesichts der relativ niedrigen Zahlungsausfälle zieht es Investoren zu risikoreicheren Titeln“, sagt Thomas Rahman, Kreditstratege bei Ria Capital in Edinburgh.

Nachdem die Zentralbanken das weltweite Finanzsystem mit billigem Geld geflutet haben, befindet sich die Ausfallquote für Unternehmensanleihen in der Nähe eines Allzeittiefs, was das Vertrauen der Anleger, auf risikoreichere Vermögenswerte zu spekulieren, gestärkt hat.

Die Ausfallquote in Europa ist im vierten Quartal 2012 auf 1,8 Prozent gesunken, verglichen mit einer weltweiten Rate von 2,6 Prozent, schrieb Moody's Investors Service in einer Studie. Die weltweite Rate könnte in diesem Jahr auf drei Prozent steigen, sagt Moody's, was immer noch niedriger als der Durchschnitt seit 1983 von 4,8 Prozent wäre.

Das hat dazu beigetragen, dass die Rendite von Junkbonds von zwölf Prozent zu Anfang des vergangenen Jahres auf 5,3 Prozent gesunken ist. In diesem Jahr haben Unternehmen bisher Hochzinspapiere im Volumen von über 3,5 Mrd. Euro begeben, mehr als zehnmal so viel wie im selben Zeitraum 2012, zeigen Bloomberg-Daten.

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  • Möglichkeit 4: Gold und Silber

  • Was bleibt den den Anlegern anderes übrig? Es gibt doch nur 3 Möglichkeiten:

    a) Geld unters Kopfkissen --> Inflationsverluste
    b) "sichere" Staatsanleihen ---> negative Realzinsen
    c) Junks --> mit vollem Risiko zu erhofften kleinen Erträgen

    Am Ende, wenn die Blase platzt, wird man den Anlegern wieder (zu Recht) vorwerfen: "Gier frisst Hirn". Doch ursächlich Schuld ist die Geldpolitik die aus politischen Gründen die Zinsen manipuliert.

  • Dies und nichts anderes war zu erwarten.
    Wer glaubt denn, daß die Banken auf einmal faire Partner
    geworden wären???
    Draghi, dieser Vernichter deutscher Steuergelder, macht so lustig weiter. In Italien ist ja nichts mehr zu holen.
    Der deutsche Michel schaut nicht nur zu, sondern macht munter mit. (Siehe Zypern)
    Warum nicht sofort die Enteignung; dann aber bitte die Banken zuerst.

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