Kapitalmarkt
Rentenanleger gehen wieder auf Nummer sicher

Deutsche und französische Staatspapiere sind am Rentenmarkt wieder stark nachgefragt. Während der Bund-Future auf einem Kontrakthoch steht, geht der Italien-Future auf Talfahrt. Die Anleger haben Krisenstaaten im Blick.
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FrankfurtDeja vu am Rentenmarkt: Die Anleger entdecken die Sicherheit deutscher Bundesanleihen und französischer Staatspapiere wieder und verkaufen im großen Stil Bonds südeuropäischer Euro-Staaten. „Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um“, sagte ein Händler. Als Grund nannten Börsianer zum einen die Spekulationen über eine Eskalation der Probleme im portugiesischen Bankensektor. Daneben belasteten die zahlreichen geopolitischen Krisen. „All die Konflikte - von der Ukraine über den Irak bis zum Nahen Osten – stärken nicht gerade die Zuversicht der Anleger“, sagte ein Händler. Somit sei nach den starken Kursgewinnen der Anleihen Spaniens, Italiens und Portugals Gewinnmitnahmen durchaus angebracht.

Der Bund-Future stieg um 73 Ticks auf 148,06 Punkte und markierte damit ein neues Kontrakthoch. Auch der französische Future war gesucht und kletterte um 55 Ticks auf 141,53 Zähler, ebenfalls ein Rekordhoch. Im Gegenzug fiel der Future auf die italienischen Staatsanleihen um 77 Ticks auf 125,20 Punkte.

Hauptauslöser der Umschichtungen sei die zunehmende Sorge über die Zahlungsschwierigkeiten der portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo gewesen. Diese setzten vor allem die Staatsanleihen Portugals unter Druck, so dass die Rendite der zehnjährigen Papiere wieder auf über vier Prozent von 3,804 Prozent am Vorabend zulegte.

Doch auch die spanischen und italienischen Pendants gerieten unter Druck. Die Renditen kletterten somit wieder in Richtung drei Prozent. Zu der Verunsicherung trugen auch erneut schwache Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone bei. So war in Italien die Industrieproduktion im Mai um 1,2 Prozent und damit so stark wie seit November 2012 nicht mehr geschrumpft. Dies drückte auch in Mailand die Börse um bis zu 2,8 Prozent ins Minus.

Hinzu komme das Protokoll der Fed-Sitzung vom Juni, das das baldige Ende der Anleihekäufe durch die US-Notenbank bestätigt habe, sagte ein Händler. Der Mitschrift zufolge könnte die Fed im Herbst aufhören, monatlich Milliarden von Dollar in den Finanzkreislauf zu spritzen.

Irland und Griechenland nahmen ungeachtet der Lage am Gesamtmarkt neue Kredite auf. Die griechischen zehnjährigen Anleihen gaben im Sog der portugiesischen ebenfalls nach. Die Rendite kletterte auf 6,28 Prozent von 6,114 Prozent. Irland verkaufte zehnjährige Anleihen im Volumen von 500 Millionen Euro. Die Rendite lag mit 2,32 Prozent so niedrig wie noch nie. Die zehnjährigen irischen Bonds notierten knapp behauptet.

Der Euro gab leicht auf 1,3610 Dollar von 1,3644 Dollar am Vorabend nach. „Das ist aber äußerst moderat“, stellte ein Händler fest. „Der Euro ist derzeit eher mal ein Fels in der Brandung – und das obwohl die US-Zinswende bevorsteht, während in der Euro-Zone die Geldschleusen noch weiter geöffnet werden.“ Sollten allerdings die Sorgen um Portugal auf andere Länder überschwappen, könnte es auch die Gemeinschaftswährung wieder belasten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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