Kapitalmarktzinsen
Zehnjährige Bund-Rendite steigt auf vier Prozent

Die Rendite der viel beachteten zehnjährigen Bundesanleihe ist gestern zum ersten Mal seit anderthalb Jahren auf die wichtige Marke von vier Prozent geklettert. Banken und Fondsmanager gehen zunächst noch von weiteren moderaten Anstiegen aus.

FRANKFURT. „Aus technischer Sicht ist eine zehnjährige Bund-Rendite in Richtung 4,10 Prozent wahrscheinlich“, sagte Peter Müller, Zinsstratege bei Commerzbank Securities. Der Terminkontrakt Bund-Future brach gestern in der Spitze um bis zu 0,56 Pro- zentpunkte auf 115,18 Prozent ein. Er schloss 43 Basispunkte niedriger bei 115,31.

Auslöser für die Kursverluste waren robuste Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA. Der vom Münchener Ifo- Institut ermittelte Geschäftsklimaindex war überraschend auf 105,9 Punkte und damit auf ein neues 15-Jahreshoch gestiegen. Schon der Ifo-Anstieg vor einem Monat hatte für deutlich höhere Kapitalmarktzinsen ge- sorgt, weil die Märkte danach weitere Leit- zinserhöhungen der Europäischen Zentral- bank (EZB) erwarteten.

Dazu kamen gestern höher als erwartete Verbraucherpreise aus einigen deutschen Bundesländern, die Zinsängsten weitere Nahrung gaben. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos betonte zudem, dass weitere Zinserhöhungen angesichts der Aufwärts- risiken für die Preisstabilität erforderlich seien. Die EZB hat die Leitzinsen seit De- zember in zwei Schritten auf 2,50 Prozent erhöht. Nach den gestrigen Daten gingen an den Terminmärkten die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen nach oben und preisten einen Leitzins von 3,50 Prozent für Ende des Jahres ein.

Außerdem fielen am Nachmittag noch die Daten zum US-Verbrauchervertrauen im April und zum US-Wohnimmobilienmarkt besser aus als prognostiziert. In den USA schnellte daraufhin die Rendite zehnjähriger Treasuries auf 5,08 Prozent und damit den höchsten Stand seit Juni 2002.

Sorgen macht Experten auch der weiterhin steigende Ölpreis. Brentöl notierte gestern in Europa zeitweise über 74 Dollar je Barrel (159 Liter). „Bislang wurde der hohe Ölpreis vorwiegend als Belastung für die Weltwirtschaft inter- pretiert“, sagte Commerzbank-Stratege Müller. Da der Konjunkturaufschwung jedoch nach wie vor intakt sei, könnte sich die Sicht ändern und der Ölpreis als Infla- tionsrisiko gesehen werden. Diese Gefahr spiegelten die Kapitalmarktzinsen indes noch nicht wider.

.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%