Kaum Potenzial für sinkende Spreads
Bei Unternehmensbonds drohen Verluste

Die Schwäche der Aktienmärkte und die bis Mitte Juni sinkenden Renditen der Staatsanleihen ließen Anleger massiv zu Unternehmensbonds greifen. Deren Kurse stiegen deutlich, im Gegenzug sanken die Renditen und Risikoaufschläge (Spreads) der Papiere.

FRANKFURT/M. Investoren, die vor zehn Monaten Unternehmensanleihen gekauft haben, können sich freuen. Die Schwäche der Aktienmärkte und die bis Mitte Juni sinkenden Renditen der Staatsanleihen ließen Anleger massiv zu Unternehmensbonds greifen. Sie galten als vergleichsweise sichere Anlage mit attraktiven Renditen. Die Folge: Die Kurse der Unternehmensanleihen stiegen deutlich, im Gegenzug sanken die Renditen und Risikoaufschläge (Spreads) der Papiere. Seit Oktober vergangenen Jahres haben sich die Spreads gegenüber Staatspapieren im Schnitt auf gut 0,90 Prozentpunkte halbiert. Eine 2011 fällige Anleihe von Daimler-Chrysler zum Beispiel rentierte im Oktober noch mit 6,28 %, aktuell mit 5,10 %.

Doch jetzt wendet sich das Blatt. Seit Mitte Juni steigen die Risikoaufschläge leicht. „Wer jetzt noch Unternehmensanleihen kauft und dabei auf Spread-Einengungen setzt, handelt sehr spekulativ“, sagt Michael Mewes, der bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Fleming das Team für festverzinsliche Wertpapiere leitet. „Die Risikoaufschläge sind immer noch so niedrig, dass es kaum noch Potenzial für sinkende Spreads gibt.“ Auch Uwe Burkert, Kreditanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg rechnet „allenfalls mit stabilen Spreads“.

Doch es könnte auch schlimmer kommen, sprich: zu massiven Renditeanstiegen der Unternehmensbonds und einer Ausweitung der Spreads. Denn wenn die Renditen der Staatsanleihen weiter steigen, werden irgendwann die Renditen der Corporate Bonds zwangsläufig folgen. Der Grund: Wenn die Staatspapiere höher und die Unternehmensanleihen unverändert rentieren, sinken die Spreads unverhältnismäßig. Dadurch würde dem Anleger das größere Risiko, das er mit Unternehmenspapieren eingeht, nicht mehr ausreichend honoriert. „Es gibt die Theorie, dass Investoren für Unternehmensanleihen im Schnitt eine um mindestens rund einen Prozentpunkt höhere Rendite als für Staatsanleihen verlangen“, sagt Fondsprofi Mewes.

Die große Frage ist nun, ob die Zinswende bei den Staatsanleihen nachhaltig ist, und die Renditen weiter nach oben klettern. Burkert erwartet, dass zehnjährige Bundesanleihen in zwölf Monaten wieder 4,75 % Rendite bringen werden. Im Juni lag die Rendite unter 3,50 %. Mewes dagegen rechnet nicht damit, dass die Renditen der Staatsanleihen weiter deutlich anziehen werden. Dafür stehe der Konjunkturaufschwung auf zu wackligen Beinen.

Auch viele Unternehmen hoffen auf sinkende Renditen, beobachtet Alexander von zur Mühlen, der bei der Deutschen Bank Unternehmen auf der Zins- und Währungsseite berät. Dies sei neben der traditionellen Sommerflaute ein Grund dafür, dass sich Firmen mit neuen Bonds zurückhalten. Außerdem bräuchten diverse Schuldner derzeit keine Mittel von den Bondmärkten, da sie ihre Verbindlichkeiten radikal reduzieren. Das werde sich aber ändern, wenn sich die konjunkturelle Erwartung verbessere. „Sobald die Unternehmen wieder über Akquisitionen nachdenken, wird auch die Notwendigkeit zur Neuverschuldung wieder auf der Tagesordnung stehen“, meint von zur Mühlen. Dies könnte zu einer Ausweitung der Spreads von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen führen. Burkert glaubt, dass mittelfristig Telekomkonzerne wieder investieren.

Quelle: Handelsblatt

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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